Coldplay
Weiche Klänge in der Nacht
Die Stimmung im Zenith war wunderschön. Etwa 6000 Leute hatten sich an dem regnerischen Novemberabend eingefunden, um endlich Coldplay live zu erleben. Die Band, die schon Tausende von gemütlichen Wohnzimmerabenden und Kellerpartys begleitet hat, mußte viele verschiedene Erwartungen erfüllen, denn das Publikum ließ sich auf kein Genre festlegen.
Die Vorband war sympathisch und engagiert, aber nichts besonderes. Britpop, wie er seit Jahren von allen Ecken zu hören ist, wenn auch nett und voller Elan präsentiert.
Dann wurde die geduld des Auditoriums gefordert, fast eine halbe Stunde lang wurde technsiches Equipment aufgebaut, Akbel umhergetragen und Soundcheck gemacht. Als dann Chris Martin, Will Champion, Guy Berryman und Jonny Buckland die Bühne betraten, hatten die Zuschauer kaum Gelegenheit zum stürmischen Begrüssungsapplaus. Ohne zu zögern haute Sänger Chris in die Tasten des Klaviers und die Menge tobte.
Anders kann man es nicht formulieren.
Voller Hingabe präsentierten die vier gerade fertig studierten Jungs ein Konzert der Superlative, auf dem Klassiker wie Yellow, Parachutes oder High Speed genauso wenig fehlten wie die ebenso ausgefeilten Meisterwerke des neuen Albums Trouble oder Shiver. Mit der Gänsehaut verursachenden Stimme von Sänger Chris hatte sogar eine reine Akustikgitarre nichts mehr mit Lagerfeuer zu tun, vor allem als dann das kurze E- Gitarrensolo dazukam. Legt man es darauf an, könnte man sicher Vergleiche ziehen. Dafür ließ sich "Pink Floyd" finden, oder "U2" oder auch mit etwas Liebe "Giant Sand". Aber mitten im Strom des spielerisch überzeugendne Konzerts bewiesen Coldplay ihre Einzigartigkeit.
Aus jeder Zeile, jedem Refrain strahlt eine melodische Kraft, die tief ins Bewusstsein dringt. Die Ambition, ein großes Werk zu schaffen, ist fast physisch spürbar. Auf Songs wie "Daylight" und "A Whisper" klingen Coldplay dynamischer und fokussierter denn je, wobei besonders letztgenannter Song in seiner psychedelischen Rotation an Pink Floyd erinnert. Und das countryeske "Green Eyes", die erste, glückselig frohlockende Single "In My Place" sowie der fast schon anbetungswürdig kathartische Titelsong werden allein durch ihre unwiderstehlichen Melodien jedem Lebenskünstler das Herz bluten lassen. Coldplay haben sich die Messlatte denkbar hoch gelegt und schwingen sich mit gefühlsintensivsten Songs zu einem weiteren Höhenflug auf, der sie zu heißen Anwärtern auf das Album des Jahres macht. Die anstehenden Tourneen versprechen gigantisch zu werden.
Hinter der Bühne wurden die vier Musiker live in schwarz-weiss auf vier Leinwände geworfen, ein stilvoller und charmanter Service für die begeisterten Fans in den letzten Reihen. Ob einer viermal oder jeder einmal pro Leinwand, die optischen Effekte und die dazugehörige Lightshow unterstrichen meisterhaft den Auftritt der Insulaner. Ein voller Erfolg, danke schön!
<nina bludau>
die cds und mehr von coldplay gibt's [ hier ]
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