Hubert von Goisern - Fön
Munichx plauderte mit dem österreichischen Alpen-Rebell
wir befinden uns im jahr 2000 n.chr. ganz österreich ist besetzt
von braun(gebrannt)en, möglichst sympathisch grinsenden kärntnern.
ganz österreich? nein! bad goisern,
ein 7000-seelen-ort mit 7 blaskapellen (das macht 1000 leute für
eine kapelle!) und "red canyon" im salzkammergut (traditionell regiert
hier die spö) kann stolz sein auf einen berühmten sprössling, der
erzkonservativen und schlimmeren das fürchten lehrt: hubert von
goisern liegt uns allen noch mit den "hiatamadln" in den ohren und
wagt sich jetzt an ein neues album - immerhin sein achtes! schade
eigentlich, dass viele von uns von den letzten sieben relativ wenig
mitbekommen haben.
vielleicht
ist hubert von goisern ja auch nach beinahe 6jähriger öffentlichkeits-, aber nicht
schaffenspause zu unrecht etwas in vergessenheit geraten? nach überwindung einiger
schwierigkeiten, wie autopannen im regen mit darauf folgender lungenentzündung,
defekten u-bahnen und unklaren wegbeschreibungenl, haben wir hubert von goisern
schließlich irgendwo in münchen (mit hilfe einiger unschuldiger, ahnungsloser
bauarbeiter aus dem stockwerk darunter) ausfindig gemacht. was er zu sagen hatte
über musik, seine karriere und das leben im allgemeinen lest ihr hier:
munichx (m): bad goisern, idyllischer
ort im salzkammergut... mit deiner musik als mischung aus tradition
und opposition bist du dort - sicher teilweise auch bewusst - etwas
angeeckt. Wie ist das verhältnis zu deiner heimatstadt heute? ausgesöhnt?
hubert von goisern (hvg): ja, ausgesöhnt,
akzeptiert. natürlich gibt es auch hier wie überall leute, die mit
meiner musik nichts anfangen können und denen das aufstößt, was
ich mache, aber das sind nicht mehr als sonst wo. ich fühle mich
dort sehr wohl, die leute kennen mich von früher, als ich halt noch
nicht der hubert von goisern war und gehen auch dementsprechend
normal mit mir um.
m: wie kamst du darauf, dich mit
volksmusik zu beschäftigen?
hvg: das liegt schon eine zeit zurück;
nach dem ende einer fast siebenjährigen herumreiserei war ich fast
ein halbes jahr auf den philippinien und habe dort gewohnt mit leuten,
die oben in den bergen in pfahlbauten leben, kein strom, kein radio,
nichts, und dort ist mir erstmals bewusst geworden, was volksmusik
eigentlich ist.
m: fing dort auch das interesse für
die eigene, österreichische volksmusik an?
hvg: ja. ich bin ja mit der eigentlich
aufgewachsen, aber nicht als praktizierender volksmusikant, sondern
die gab es einfach überall im salzkammergut. es gab auch nicht so
etwas wie ein karl-moik-schunkel-image der volksmusik; bei uns hat
sie eher das image gehabt - und hat es vielleicht immer noch ein
bisschen - dass da nur die reaktionären beieinander sind, die das
"rechte und wahre" wollen, das man von außen nicht mit irgendwelchen
stilelementen beschmutzen darf, die mit unserer tradition nichts
zu tun haben. volksmusik wurde in sehr ausschließlichen kreisen
praktiziert, wo ich mich persönlich als junger mensch ausgeschlossen
gefühlt habe. es hat mich allerdings auch nicht besonders hingedrängt.
m: kam aus diesem gedanken des "ausgegrenzt
seins" vielleicht die idee, "mischelemente" in das verstaubte traditionelle
einzubringen?
hvg:
als ich dann nach österreich zurückgekommen bin, dachte ich mir: jetzt schau ich
mir an, welche rolle unsere volksmusik gespielt hat, bevor es das radio und die
ganzen medien gab; ich habe mich ein wenig mit dem instrumentarium beschäftigt
und habe gemerkt, dass das bei den leuten einfach aufstößt. vorallem bei den sogenannten
"linksintellektuellen" stellt volksmusik als etwas rechtes, ewig gestriges einfach
ein tabu dar. mich hat es fasziniert, dass die leute ihre ohren praktisch automatisch
zugeklappt haben, wenn irgendein volksmusikalisches element auftauchte. aber was
gibt es schöneres, als ein tabu zu brechen?
m: das ist ja auch scheinbar ganz
gut gelungen... nach dem projekt "alpinkatzen" mit wolfgang staribacher
kam ja mit dem neu zusammengestellten ensemble "original alpinkatzen"
der plötzliche durchbruch. warum auf einmal?
hvg: ich habe ende 87 mit dem projekt
begonnen, und so richtig aufgegangen ist es 92. es hat also fünf
jahre gedauert, und ich war mir auch selbst nicht sicher, ob wir
jemals zu dem punkt gelangen würden, dass unsere musik akzeptiert
wird. mir hat jedenfalls total gefallen, was ich gemacht habe...
m: schon mal nicht die schlechteste
voraussetzung...
hvg: ...aber was anderes kann ich
eh nicht machen als etwas, was mir total gefällt oder solange hinarbeiten,
bis es mir selber sehr gefällt. und dann war vielleicht einfach
die zeit reif. ob das jetzt daran lag, dass ich den boden so lange
gepflügt habe, kann ich jetzt nicht sagen. vorher hat sich halt
alles mehr so im kleinkunstrahmen abgespielt, da waren die leute
eigentlich auch begeistert, es sind halt immer nur so zwischen 20
und 50 zu den konzerten gekommen. aber die überzeugung, dass das
eigentlich was tolles ist für die leute, habe ich schon von anfang
an gehabt. nach der trennung vom wolfgang bin ich dann nach salzburg
gezogen, weil ich das gefühl hatte, dass wien nicht der richtige
boden für mich ist. im umfeld von salzburg habe ich mir musiker
gesucht - und dann ist es eigentlich sofort explodiert. aber das
programm war im wesentlichen dasselbe.
m: dem ersten großen erfolg schloss sich ja eine
tour an, in der es euch bis nach amerika verschlagen hat... was war es für ein
gefühl, "österreichische tradition" in amerika zu präsentieren?
hvg: es war ein gutes gefühl, es
hat mich erstaunt, dass es so gut angekommen ist. wir haben auch
in new york gespielt, in einem club in greenwich village, der war
voll und die leute haben da richtig abgefeiert. ich habe auch kein
problem, einen persönlichen kontakt zum publikum herzustellen, wenn
ich in einem englischsprachigen land spiele; ich hatte nicht das
gefühl, dass den leuten eine ebene abgeht, um meine musik so zu
verstehen, wie sie verstanden werden soll. ich habe auch das gefühl,
mich mit der musik nonverbal verständigen zu können; auch wenn mir
meine texte wichtig sind, steht doch die musik im mittelpunkt.
m: warum kam 1994 dann doch das aus
für die alpinkatzen?
hvg: im november 94, als ich das letzte
konzert gespielt habe, hatte ich das projekt 7 jahre betrieben und
es war für mich erledigt. Ich habe mir nicht vorstellen können -
und im nachhinein habe ich das auch nie bereut - dass ich auf diesen
erfolg noch eins draufsetzen könnte. da hätte ich mich wiederholen
müssen; ich hätte zwar weiter lieder in der art schreiben können,
das wäre sicher ein großer kommerzieller erfolg gewesen, aber für
mich war der kuchen einfach gegessen.
m: mit den beiden nächsten cds "gombe"
und "inexil" kam ja auch etwas wirklich anderes heraus. was hat
dich hier beeinflusst?
hvg:
ich habe tibetische künstler auf einer tournee in österreich kennengelert, wo
ich sie begleitet habe, und aus diesem kontakt ist die vision entstanden, dass
es mit ihrer volksmusik nicht anders ist als wie bei uns, dass sie nämlich auch
so ein museumsteil ist ohne jeden gegenwartsbezug. die sind im nordindischen exil
aufgewachsen, beeinflusst von der hindi-kultur und ziehen sich abends ihre tibetischen
kostüme an und singen nomadenlieder. Ich habe gesagt: wenn ihr nicht etwas macht,
was mit eurer kultur, mit eurer melodik zu tun hat aber auch einen jetztzeitbezug
hat, dann ist bald überhaupt nichts mehr übrig. lasst uns doch versuchen, was
ich auch mache, nämlich elemente aus der tradition zu nehmen, aber sie in einen
bezug zur jetztzeit zu stellen, sowohl von den klangvorstellungen als auch vom
inhaltlich-texlichen her. dann bin ich selbst nach tibet gereist, um das land
besser verstehen können- so enstand die cd "inexil". zufällig parallel dazu habe
ich jane goodall kennengelernt, die mich nach afrika, nach gombe eingeladen hat.
irgendwann habe ich das dann auch gemacht, und bei diesem besuch ist der gedanke
entstanden, einen film über diese frau zu machen und auch eine cd zu machen, beeinflusst
von afrikanischer musik aus dieser gegend.
m: und jetzt die neue cd "fön". kein
lied klingt wie das andere!
hvg: nach all dem engagement wurde
es einfach wieder mal zeit, etwas eigenes zu machen. es ist auch
etwas, was ich bereits in den vergangenen alben gemacht habe, die
alle sammelsurien verschiedenster sachen sind. so bin ich halt,
das einzige, was man als roten faden in meinem musizieren bezeichnen
kann, ist meine person. ich habe viele interessen und denke mir
nicht: ok, jetzt mache ich ein jazz-album oder was souliges. ich
mag es nicht, wenn etwas so durchgestylt ist. ich wollte auch, wenn
ich jetzt mit was neuem anfange, dass es die leute schwer haben,
mich zu kopieren.
m: ja, das ist wohl gelungen... gratulation zu
einer richtig guten cd! wir danken für das gespräch!
hubert von goiserns cd "fön" ist ab dem 6. november zu haben. nicht unbedingt
leichte kost - ausgefeilt und anspruchsvoll, aber manchmal auch einfach nur schööön.
alles in allem: sehr empfehlenswert und vielfältig (tipp zum einsteigen: lieder
no. 3, 8, 11, 12 - man kommt nicht mehr davon los!). live kriegen wir das schwer
zu kopierende multitalent aus oberösterreich leider erst im april zu sehen, aber
dann im zirkus krone! also genug zeit für den nicht-kenner,
sich vorzubereiten.
die cd ist erhältlich unter diesem link: [ amazon.de ]
<eva ludwig>
sicherlich eine unkonvetionelle atr der "volksmusik" und daher hörenswert,
aber mir ist das zu ländlich, denn ich brauch' die beats aus der city!
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schon mit dem soundtrack zu "schlafes bruder" hat hubert von goisern
bewiesen, daß er ein genie ist. auch die neue cd ist großartig!
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