Embryo und Mal Waldron
Götter des Jazz in München
Im Grunde müsste man ehrfurchtsvoll auf die Knie fallen. Mal Waldron gehört nämlich mit über 70 Jahren wirklich zur Walhalla der Jazzmusiker. Der gebürtige New Yorker hat nach seinem Studium des klassischen Klavierspiels und einem BA in Komposition eine märchenhafte Laufbahn begonnen , er gab 1950 sein Schallplattendebüt mit der Band von Ike Quebec, der er bis 1953 angehörte. In den letzten zwei Jahren vor ihrem Tod war Waldron der Begleiter von Billie Holiday, 1958/59 gastierte er mit ihr in Europa. Seit 1965 nach langen Jahren voller Drogen, dem Wiederaufbau und einem sensationellen Comeback als Komponist und Musiker lebt Mal Waldron in Europa: "Als ich nach Europa kam, war der Druck plötzlich weg und ich brauchte keine Drogen mehr. Außerdem sprachen in Europa nun zwei Dinge für mich, die in Amerika gegen mich waren: ein Schwarzer und ein Jazzmusiker zu sein."
Er hat bis heute über 600 Platten aufgenommen (seine erste 1949) und die Liste seiner Mitmusiker ist ebenso lang wie beeindruckend: Dizzy Gillespie, Charles Mingus, John Coltrane, Max Roach, Lester Young, Coleman Hawkins, Eric Dolphy, etc. Am ehesten könnte man ihm dem Geist Thelonious Monks zuordnen. Seine neueste Platte "One more Time" bezeichnet er selber als Höhepunkt seiner Karriere, auch wenn das nach den letzten CDs nur schwer vorstellbar ist. Gemeinsam mit Bassist Jean-Jacques Avenels und dem nun wieder in Boston lebenden der Sopransaxofonist Steve Lacy, Mal Waldrons langjährigem Vertrauten und Partner, ist das Album zu einem wahren Meisterwerk geworden. Nur ein perfektes Beispiel ist das ursprünglich für John Coltrane geschriebene "Soul Eyes", Mal Waldrons bekannteste Komposition. Eine Interpretaion, eine Abschiedsgeste, die den Energiefluss des Körpers beschleunigt.
Jetzt gerade tourt er mal wieder mit dem Multikulti-Projekt Embryo durch Europa, und wie bereits im Oktober versprochen kommen sie am 5.12. ins Atomic Cafe. Die fast 30 Musiker des wechselnden Ensembles kommen aus aller Welt: afrikanische Trommler, asiatische Flötenspieler, russische Doiratrommler, Jazzbläser aus New York, die weltweit zusammengestellte Band vereint die Highlights ihres Chambres. Jeder ihrer Auftritte ist ein Fest der Nationen und des Friedens, die gute Stimmung steckt an und lässt in terrorismusgeplagten Herzen wieder Hoffnung keimen. Aber auch fern von politischen Gedanken ist der Auftritt ganz sicher ein Höhepunkt im Münchener Jazzleben, den man nicht verpassen sollte!
<nina bludau>
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Embryo und Mal Waldron
[ atomic cafe ]
05.12.2002
beginn 21.00h
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