Scumbucket
Wir sind die billigste Band der Welt
Scumbucket gehen ihren eigenen Weg ohne sich an den im Business üblichen Regeln
zu orientieren. Kein millionenschwerer Plattenvertrag, keine MTV und VIVA-Präsenz.
Sie machen Musik, die in viele Schubladen passen könnte, aber sich trotzdem jeglicher
Kategorisierung entzieht. Das einzige Schema in die man die drei Jungs pressen
kann ist die Tatsache, dass ihre Platten mit jedem neuen Auswurf noch besser werden,
was in der Fachpresse regelmäßig für Begeisterungsstürme
sorgt. Grund genug für munichx.de mal bei Scumbucket-Mastermind Kurt Ebelhäuser
nachzuhaken. Das Konzert am 16.1. im - leider nur schwach besuchten - Club 2 bot
dazu beste Gelegenheit:
Munichx.de:
Eure drittes Album "Finistra" ist seit kurzem draussen. Seid Ihr bei den Aufnahmen
unter Druck gestanden, nachdem eure beiden vorherigen Platten ("Heliophobe", "Batuu")
überragende Kritiken von allen Seiten bekommen haben?
Kurt: Ja, wir hatten Druck, aber der kam nicht
von aussen, sondern von innen. Wir wollten einfach nicht, dass das dritte Album
wie das zweite klingt. Stillstand bedeutet für uns Rückschritt.
Munichx.de: "Finistra" ist eine sehr poppige Platte
geworden. Die Songs klingen kompakter als jemals zuvor und die Melodien erinnern
an die Beatles. Sind das Zugeständnisse an den Mainstream?
Kurt: Nein, überhaupt nicht! Mit Mainstream und
Kommerz haben wir nichts am Hut, denn kommerziell klingen heisst: nicht wie Du
selbst Du klingen. Wir machen unsere Musik einfach, weil wir sie machen und da
gibt es auch keinen Stil, auf dem wir uns festlegen. Wir lassen uns immer von
dem beeinflussen, was wir privat gerne hören. Und im Moment stehen wir halt ziemlich
auf die 60ies, deshalb auch das Hollies-Cover "Busstop". Wer weisss, wenn wir
irgendwann alle Country-Musik geil finden, machen wir vielleicht ein Country-Album.
Munichx.de: Trotz langer Banderfahrung und hervorragender
Alben seid ihr immer noch nicht euren Underground-Status losgeworden und müsst
- wie heute - in kleinen Clubs spielen. Stört Euch das nicht?
Kurt: Ich bin jetzt 30, da rege ich mich über
so was nicht mehr auf. Bei uns geht es ja vor allem um das Zusammensein. Wir verstehen
uns einfach gut und haben unseren Spass. Wir spielen übrigens nicht immer in kleinen
Läden, das ist halt im Südwesten so. In der Koblenzer Ecke sind die Clubs schon
größer. Aber wir wollen auch gar nicht in diesen Riesenhallen auftreten. 80 Leute
in einem kleinen gemütlichen Club, so muss das sein. Ausserdem läuft's mit Sumbucket
ganz gut, da können wir uns gar nicht beklagen. Gestern haben wir beispielsweise
in der Schweiz in einem kleinen, aber total vollen Club gespielt. War echt super
- bis auf die ewig lange Rückfahrt heute. Wir hatten alle einen Bombenkater und
dann hockst Du da die ganze Zeit aufeinander im Mini-Bus... .Furchtbar!
Munichx.de: Kurt, du bist neben Scumbucket auch
bei Blackmail als Songschreiber und Gitarrist tätig. Wie verträgt sich das miteinander?
Kurt: Ich teil das immer auf, ein halbes Jahr
Scumbucket mit Album, Tour etc. und dann ein halbes Jahr Blackmail. Das klappt
schon, aber Du hast halt nicht viel Zeit, was anderes zu machen. Ich könnte beispielsweise
nie einen normalen Job ausüben, das wäre zeitlich nie drin.
Munichx.de: Mit Blackmail hast Du vor kurzem einen
Vertrag mit Major Eatwest unterschrieben. Wie passt das mit Deiner Philosophie
zusammen und was hat das für Auswirkungen auf deine Scumbucket? Was ist, wenn
Du mit Blachmail durchstarten wirst und keiner mehr Scumbucket sehen will?
Kurt:
Ich versuche auch weiterhin diesen Halbjahr-Rhythmus einzuhalten. Bei Blackmail
war es so, dass wir von Eastwest einfach einen guten Vertrag angeboten bekommen
war, der unseren Vorstellungen entspricht. Deshalb werde ich jetzt mit Blackmail
aber nicht abheben. Wenn sich Blackmail absolut in den Vordergrund schiebt und
zu Scumbucket-Konzerten kein Mensch mehr kommt wäre das vielleicht ein Grund nicht
mehr auf Tour zu gehen, aber ich werde mit Scumbucket immer Platten veröffentlichen.
Mit den beiden Bands ist das so wie mit zwei Kindern. Du kannst nicht einfach
eines ins trockene Heim bringen und das andere sonstwo lassen.
Munichx.de: Was hältst Du als Insider eigentlich
von der deutschen Alternative-Szene? In letzter Zeit werden immer mehr solche
Bands von Majors gesignt und kommen dadurch groß raus... .Ich denke hier an Combos
wie Sportfreunde Stiller, Reamonn oder Slut.
Kurt: Was soll an denen denn so alternative sein?
Diese Gruppen haben zwar jetzt Erfolg, aber das ist alles so ein Hype und sobald
etwas gehypt ist, ist's schon wieder scheisse. In drei Jahren ist das alles vorbei,
da kennt die kein Mensch mehr. Schau Dir beispielsweise eine Band wie SCYCS an.
Die haben einen Major-Deal, sind in den Charts und bei ihren Konzerten spielen
sie vor 38 Leuten. Da geht's schon los. Und abseits solcher Hypes stehen dann
richtig gute Combos wie Ulme oder Porf auf verlorenem Posten. Mit Scumbucket ziehen
wir da einfach unser eigenes Ding durch. Es gab auch Angebote von Majors, aber
die haben wir alle abgelehnt.
Munichx.de: So ein Major-Vertrag hat aber auch
Vorteile. Wenn's jetzt zum Beispiel um Studioaufnahmen geht, da wird dann halt
Geld reingesteckt. Aber Du scheinst von dem ganzen Musikgeschäft sowieso nicht
viel zu halten...?
Kurt: Dieses Business und das ganze Drumherum
interessiert mich gar nicht. Gerade hier wird auch immer zuviel am Geld gemessen,
dabei ist das gar nicht nötig. Zum Beispiel, wenn's jetzt um diese Studiogeschichten
geht. Wenn ich mir da Scumbucket anschaue - wir sind wahrscheinlich die billigste
Band der Welt! Unsere Studiogeräte und der ganze Kram, das ist alles nix besonderes,
aber ich find jetzt nicht, dass sich unsere Platte schlechter anhört als teure
Megaproduktionen.
Munichx.de: Wie geht's mit Scumbucket weiter?
Kurt: Wir machen jetzt noch einen kleine Tour durch Holland, und dann spielen
wir vielleicht noch auf ein paar Festivals. Im Herbst wollen wir dann wieder für
die nächste Platte ins Studio gehen.
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