Zabine
Interview mit Zabine, am 02.02.2001 live in der Elserhalle
wer war eigentlich damals dieses nette, tiroler mädel, das hubert von goisern
bei seinen alpinkatzen dabei hatte und das uns unter dem namen "alpine
sabine" eindrucksvoll demonstriert hat, wie abwechslungsreich, gewaltig
und schön eine weiblicher jodler, der nicht von maria und margot hellwig kommt,
klingen kann?
die antwort: sabine kapfinger hieß sie damals und heißt sie noch heute; mit
27 macht sie sich auf den weg zu eigenen musikalischen ufern, lange nach dem ende
der alpinkatzen. Seit beinahe 7 jahren hat man nichts mehr von ihr gehört - jetzt
gibt es neue töne. Wir trafen sabine, die sich jetzt ganz knackig und kurz "zabine"
nennt, und befragten sie über musikalische realität und zukunft....
munichx (m): zabine, du kommst aus einem 1000-seelen-ort
in tirol und bist mit 18 plötzlich im rahmen des alpinkatzen-projekts erfolgreich
geworden. wie ist das passiert? ging das plötzlich?
zabine (z): ja, das war der wahnsinn...es war
so, dass der hubert eine sängerin gesucht hat; damals war ich gerade 15. er hat
dann zufällig eine platte von mir gehört, die ich mit 11 jahren gemacht habe.
daraufhin hat er sich bei mir gemeldet. Mit 16 war ich dann das erste mal bei
ihm im studio; er hat damals noch mit wolfgang staribacher zusammengearbeitet.
Mit 18 hat er mich dann gefragt, ob ich bei der neuen band, nämlich den alpinkatzen,
mitsingen möchte, wo ich dann auch eingestiegen bin...na ja, beim ersten konzert
haben wir 30 leute im publikum gehabt, beim zweiten 60, dann 120..so ist es dann
allmählich mehr geworden. Wir haben aber von vornherein gewusst, dass das projekt
der wahsinn ist und dass das den leuten gefallen wird.
m: du warst ja damals noch wahnsinnig jung; mit
18 wurdest du ja praktisch direkt in die weilt "hineingeschossen". glaubst du,
du hast dich dadurch verändert?
z: natürlich hat mich das ganze fasziniert, aber
es war auf der anderes seite genau so heftig. ich war ja trotzdem sehr jung...wenn
ich so zurückschaue, war ich eigentlich noch ein kind und konnte froh sein, dass
wir so ein fixes system gehabt haben und dass die anderen hinter mir gestanden
sind. ich habe da einfach meine rolle gehabt, und es war eine große rolle, aber
die verantwortung habe ich eben nicht alleine getragen. ich habe mir irrsinnig
viel anschauen können, und darüber bin ich sehr froh.
m: wenn das alles nicht passiert wäre - an welchem
punkt wärest du jetzt?
z: das weiß ich nicht, und darüber denke ich
auch gar nicht nach, weil ich mit der situation so zufrieden bin. wenn was gemacht
ist und wenn es vorbei ist, dann ist das auch total ok. für mich war außerdem
schon immer klar, dass ich als sängerin auf die bühne will und daß das mein job
ist. ich war auch vorher schon regelmäßig auf der bühne, der hubert hat mir dann
aber einen anderen zugang zu volksmusik gegeben. wenn ich das ohne den hubert
gemacht hätte, dann hätte ich vielleicht nie den zugang zum jodeln gekriegt, den
ich jetzt habe. die einzige szene, in der ich jodeln bis dahin gekannt habe, war
diese volkstümliche szene, und das war nicht meins. ich wollte damals musik machen,
die auch meine leute gehört haben, die ich "cool" finde. ich komm da aber schon
hin.
m: wie kamen eure ersten auftritte an?
z: es ist einfach der wahnsinn, wenn du auf die
bühne gehst und es ist gut. als ich die alpinkatzen das erste mal gehört habe,
hat es mich umgeweht. die waren so schon so wahsinnig gut, ich habe mir gedacht,
die brauchen mich gar nicht, was wollen die von mir? vor dem ersten auftritt in
münchen, im lustspielhaus, haben wir dann vielleicht eine halbe stunde geprobt
und es war ein solcher sprung ins kalte wasser. aber die band hat mir irrsinnig
gut getaugt, und es ist ganz selten , dass man auf der bühne so ein richtig, richtig
gutes gefühl hat. der hubert hat mir nur gesagt, stell dich hin und jodel und
sing wo es geht. so habe ich mich dann in die show eingebracht wie es halt gerade
möglich war, und immer mehr und mehr, und ich bin total gut angekommen. die band
hat dann zu mir gesagt: du bleibst. und ich habe sofort meinen job gekündigt und
bin geblieben.
m: wie war es nach dem ende der alpinkatzen 1994?
hättest du lieber noch mit ihnen weitergemacht oder war es gut, so wie es abgelaufen
ist?
z: wir haben von der trennung schon ungefähr ein
jahr vorher gewusst, und zu dem zeitpunkt als wir uns dann getrennt haben war
das auch total ok. ich war nicht so ganz glücklich darüber, dass der hubert nicht
mehr mit der band weitermachen wollte, weil ich irrsinnig gerne mit den musikern
zusammen gespielt habe. aber ich verstehe auch, dass er so drauf ist wie er drauf
ist- irgendwann muß man halt sehen, was für einen selbst das beste ist. jeder
muß einfach sein eigenes ding machen.
m: inwieweit haben dich die alpinkatzen beeinflusst?
z: auf jeden fall. die haben mir damals einen
ganz neuen zugang zur volksmusik und auch zu mir selbst gegeben. ich merke auch
heute noch, dass mich durch die arbeit mit der band noch sehr viele leute kennen,
was natürlich auch sehr schön ist.
m: glaubst du, dass der stil dir als "dein stil"
bleibt?
z: es ist natürlich keine musik fürs "formatradio".
aber es ist halt auch so, dass das jetzt die erste platte ist, die ich in meinem
leben wirklich alleine gemacht habe. und wenn man mit etwas anfängt, und ich habe
mit 11 angefangen zu singen, denkt man sich: oh mein gott, das ist nicht, was
ich möchte. aber ich weiß, wo ich hin will, und da komme ich auch hin. und mit
der neuen platte ist es genauso: es gefällt mir total, dass sie da ist, aber es
ist noch lange nicht so ausgereift, dass ich sagen könnte: du machst jetzt für
immer und ewig diese musik. ich bin ein totaler experimentiermensch, und es kann
sein, dass die nächste platte ganz anders wird als die jetzige.
m: auf deiner neuen platte sind sehr unterschiedliche
musikrichtungen verteten: man hört afrikanische oder asiatische klänge, verbunden
mit volksmusik, jazz und allem möglichen. du sprichst in diesem zusammenhang von
"stimmreisen" - was hat es damit auf sich?
z: je mehr ich an verschiedenen kulturen gesehen
habe, desto mehr war ich auch von meiner eigenen kultur fasziniert. in afrika
hat mich das ursprüngliche gereizt, die einfachheit der musik. zu dieser zeit
habe ich auch seminare gemacht, um zu zeigen, dass einfach jeder mensch musikalisch
ist: jeder hat stimmbänder, das ganze gerätschaftszeug, man muß es nur einfach
nutzen! durch die reisen habe ich auch das ursprüngliche an meiner eigenen, der
österreichischen volksmusik entdeckt. ich möchte gerne zeigen, dass zum beispiel
das jodeln eine art der musik ist, die es seit tausenden von jahren gibt und die
sich nicht nur auf die derzeitige volksmusik-szene bezieht. live auf der bühne
kommt das dann natürlich noch ganz anders rüber, viel usprünglicher, nicht so
ausgefeilt und glatt wie auf der platte.
m: du sagst, dass du durch die reisen in andere
länder und kulturen zu dir selbst gefunden hast. war es vorher chaotisch?
z: sehr chaotisch. und es ist immer noch chaotisch,
das merkt man ja, wenn man die platte hört (grinst). aber ich habe mich schon
auf eine gewisse weise selbst gefunden, einfach auch dadurch, dass ich jetzt weißt,
dass ich sängerin bin, dass das jetzt mein job ist. ich bin auch ganz fleißig
und arbeitsam, um damit weiterzukommen, weil das, was ich jetzt habe, noch lange
nicht alles ist. ich habe noch einiges vor, und es ist auf jeden fall so, dass
ich mich sehr wohlfühle in meiner haut. es war aber vorher ganz lange so, dass
ich nicht gewusst habe, was ich eigentlich machen wollte. es gab auch so viele
möglichkeiten!
m: hast du in dieser zeit auch ein bißchen an
deinem image gefeilt? gibt es ein "konzept", zum beispiel dein "neuer" name?
z: auf den namen sind wir gemeinsam gekommen.
ich war schon so weit, dass ich mich einfach "sabine kapfinger" genannt hätte,
weil das so heftig ist, das hat schon wieder was... wir wollten was kurzes, weg
von der "alpinen sabine", das hat irgendwie so etwas "schlumpfine"-mäßiges. meine
produzenten wollten auch nicht, dass ich als "sabine" in die volkstümliche oder
die schlagerabteilung gesetzt werde. ich habe vor dieser platte drei jahre lang
ganz intensiv darüber nachgedacht, was ich jetzt machen möchte und ob ich weitermachen
möchte mit der musik. ich habe schon mit elf ein bisschen die vorstellung gehabt:
ja, so möchte ich mal sein, und so langsam bin ich so. und damit bin ich sehr
zufrieden. ein grundlegendes konzept gibt es nicht.
m: was erwartet uns live?
z: ethno aus österreich!
...und darauf können wir alle sehr gespannt sein! die neue platte von zabine
ist ein äußerst klangfreudiges experiment, vielschichtig und gar nicht so wahnsinnig
"alpin". man hört sprechgesang, jodeln, jazziges, einfach alles. manche fühlen
sich gar an björk erinnert ("kommt die auch aus skandinavien?" - chart radio zur
single "aussi") - wir würden eher sagen: nicht vergleichbar. richtig gut. und
richtig hörenswert. in münchen tritt zabine mit ihrer band live am 2. februar
2001 in der elserhalle auf. viel spaß - und hört
gut zu! < eva ludwig
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