In München steht ein Hofbräuhaus
Oans, zwoa, gsuffa
was
einige zugezogene und geschmacklich verwirrte münchner bis heute nicht wahrhaben
wollen, da sie auch in diesen breitengraden getränke namens "warsteiner"
und "beck's" konsumieren, hatte der bayrische könig wilhelm v.
bereits 1589 erkannt: norddeutsches bier schmeckt einfach nicht. bis dahin hatte
der bayrische königshof sein bier nämlich aus einbeck im norden deutschlands
bezogen, ein zustand, den wilhelm v. durch gründung des münchner hofbräuhauses
im jahre 1589 beseitigte. 1591 wurde der bau schließlich fertiggestellt.
ob schon damals abgesandte aus dem land der aufgehenden sonne dessen popularität
begründeten, ist nicht bekannt. bekannt ist jedoch, daß es ein saupreiß
war, ein berlinerischer, der 1935 das mittlerweile weltberühmte lied "im
münchen steht ein..." komponierte. soweit die historischen fakten.
der moderne münchner steht dem hofbräuhaus eher kritisch
gegenüber: es sei nicht mehr richtig münchnerisch, eine
touristenfalle und sowieso ein bißchen zu derb. höchstens
ein ort, den man aufsucht, wenn man ausländische, d.h. nichtbayrische,
gäste hat und gerade kein oktoberfest im gange ist, das dem
besucher das klischeehafte münchen
nahebringen könnte: bierdunst, blasmusi und doch der eine oder
andere gamsbart lassen vermuten, daß die amerikanischen und
japanischen "europe-in-one-week" touristen münchen
noch klischeebeladener verlassen könnten, als sie es ohnehin
schon waren. ist es tatsächlich so? wie ist denn dieser ort
eigentlich, der gleich nach der wies'n zum symbol dieser stadt wurde
und auswärtige besucher massenweise anzieht? die münchner
von munichx versuchten in einer aufwendigen recherche vor ort, es
herauszufinden.
auch
jetzt, außerhalb der klassischen touristensaison, ist das hb um 19h ziemlich
voll. am eingang schlägt uns die klassische mischung aus heißem bierdunst
und schweinsbratenduft entgegen, begleitet von der ansage des kapellmeisters,
man spiele jetzt auf wunsch eines usbekischen gastes "einen walzer".
bis usbekistan hat es sich also herumgesprochen, das hb. ein vielversprechender
anfang für unsere fallstudie. fast alle tische sind besetzt. wir setzen uns
irgendwo dazu. natürlich sind unsere tischnachbarn: amerikaner
im mittleren alter. wir: die erste maß. einen gewissen wies'n-reflex muß
man sich verkneifen. trotz blasmusik und bier wird hier kaum auf den tischen getanzt.
vielleicht liegt es ja an der jahreszeit und am wochentag: im sommer haben wir
hier schon anderes erlebt.
nachdem die erste maß zur neige geht, stößt man
aus gründen der höflichkeit und völkerverständigung
auch mit den fremden tischnachbarn an: "where are you from?"
geht einem leicht über die lippen, wenn die zweite maß
auf dem tisch steht. "detroit, michigan". und warum kommt
jemand aus detroit, michigan, ins hb? "it's world famous!"
kommt es als antwort. wie lange man denn in münchen bleibe?
leider müsse man morgen schon abreisen. gestern rothenburg
ob der trauber ("beautiful!"), heute münchen inkl.
neuschwanstein ("a great place!"),
morgen paris. vielleicht ist an gewissen klischees doch etwas wahres
dran. rückfrage an die amerikanischen gäste, die bereits
aufbrechen wollen, um ihren flieger zu erwischen: "so, what
image of munich do you take home?" - "a great city. very
modern. bye!". das heißt wohl: es tragen nicht alle lederhosen.
klang irgendwie enttäuscht.
die
zweite maß ist fast leer. hunger. wir bestellen schweinsbraten für
16,90 dm. exzellent, auch wenn die größe der portionen teilweise drastisch
variiert. der freigewordene platz wird von einer angetrunkenen touristengruppe
aus dem ruhrgebiet besetzt. frauenfeindliche witze werden laut erzählt, " so
ein liter bier " wird bestellt und verschwitzte körper drängen
das munichx team auf unangenehme weise in die defensive. gottseidank ist der spuk
bald vorbei: das bier wird schnell heruntergeschüttet, die gruppe verläßt
den tisch. auf ein interview haben wir verzichtet.
die
dritte maß. wir sind angetrunken. die musik ist nicht gerade mitreißend,
verzweifelte schunkelversuche führen ins leere, ein gewisses stimmungstief
macht sich breit. es ist einfach zu wenig los. touristen gehen die gänge
entlang, schauen sich um und verlassen das hb wieder. ist es wirklich so trostlos?
und dann der volltreffer: japaner setzen sich an
unseren tisch, mindestens 6 oder 7, alle unter 25. mal sehen. spontan werden wir
auf englisch gefragt, ob wir aus münchen kommen. das ist doch mal ein guter
anfang! bierselig wird geplaudert. wir erfahren, daß die gruppe schon seit
monaten in europa unterwegs ist, um irgendeine bestandene prüfung zu feiern.
nette leute.
die vierte maß. wir sind besoffen. wir pendeln zur toilette und wieder
zurück. fragen uns, wozu diese waschbecken mit der großen öffnung
und den haltegriffen gut sind. dann erfahren wir es: es kotzt jemand rein. erfahren,
daß es auch im tokio ein hofbräuhaus gibt. die musik gefällt uns
plötzlich sehr viel besser. singen und schunkeln mit den japanern, tauschen
adressen aus. 23h: schankschluß. die japaner
sind weg. wir torkeln aus dem hb. finden uns draußen in einer riesigen gruppe
italiener wieder. freunden uns an. verlieren alle, fahren nach hause. schlafen
unseren rausch aus.
am nächsten morgen haben wir alles vergessen.
wollten wir nicht irgendeinen artikel schreiben? wie war es denn
nun eigentlich im hb? ich glaube, das muß jeder für sich
selbst herausfinden.
adresse und infos gibt's unter: [ hofbräuhaus ] unter planen.
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