Der Münchner an sich
Eine leicht übertriebene Analyse
wer schon einmal die bayrischen grenzen verlassen und andere städte
besucht hat, stellt meistens fest: die leute da sind ja ganz anders!
im ruhrpott etwa, in köln oder sogar im hohen norden ist es
irgendwie so - münchen-untypisch.
man kommt leicht mit jemandem ins gespräch, es geht irgendwie
sehr relaxt zu und manchmal denkt man sich dann doch: warum ist
es in münchen nicht so.
es gibt ja auch einige vorurteile gegen die bewohner dieser stadt:
sie seien arrogante schickimickis, ein wenig spießig, engstirnige
lokalpatrioten und bürger eines millionendorfes,
das gerne weltstadt sein möchte. all diese klischees werden
meist, sogar von locals, als "münchen-typisch" bezeichnet.
die frage, ob irgendetwas "berlin-" oder "köln-typisch"
ist, wird meist nicht gestellt. ich behaupte, daß es diese
ausdrücke nicht gibt: in berlin und köln geht man davon
aus, daß in diesen städten alle facetten
des lebens vertreten sind und wenig typisch ist.
im gegensatz zu münchen: daß wie in vielen berliner
bars punks und gutgekleidete, feine leute gemeinsam am tresen stehen,
ist hier undenkbar. aßlig oder
spießig, grattler oder schickimickis, edellokale oder absteigen.
dazwischen gibt es außer mainstream recht wenig, die fronten
sind verhärtet. daß sich eine in versace gekleidete bwl-studentin
angeregt einen ganzen abend lang mit einem am ganzen körper
tätowierten und gepiercten sadomasochisten unterhält,
wie in köln beobachtet, geht hier eben nicht.
mir san halt mir, mag man sagen und froh darüber sein, daß
es hier anders ist. aber ein bißchen schade ist es doch, daß
das alte klischee vom grantelnden bayern,
der über seinen eigenen tellerrand
nicht hinausblicken mag und alles fremde erst einmal ganz arrogant
ablehnt, doch in gewisser weise wahr ist.
die einzige abhilfe ist hier wiederum sehr bayrisch und nennt sich
"bier". vorzugsweise bei hohen temperaturen findet man
sich unter freiem himmel in sog. "biergärten"
zusammen. selten kann man sich aussuchen, wer da neben einem sitzt.
und wenn der münchner dann schon einmal gezwungen ist, sich
mit etwas unbekanntem auseinanderzusetzen, dann tut er es auch.
und nach der zweiten kühlen maß
sieht die welt schon ganz anders aus: dann hört auch die bwl-studentin
dem sadomasochisten zu.
ja, wir münchner haben schon unsere ganz speziellen tücken.
aber wir haben auch die biergärten. und selbst wenn all die
anderen deutschen großstädter manchmal alles ein wenig
relaxter sehen: biergärten haben sie nicht. und ordentlichen
augustiner edelstoff auch nicht. ja,
wir sind lokalpatrioten. und im grunde interessieren uns die anderen
nicht. mir san halt mir. und außerdem lieben
wir unsere kleine stadt.
<og>
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