Morgens halb acht in München, Teil 1
Munichx Online-Redakteure unter Verdacht
munichx-mitarbeiter haben einen langen arbeitstag. alles begann
um 7.30h: schnellfrühstück (halber liter kakao plus paracetamol),
die kontaktlinsen ins auge gesteckt und los. danach eine stunde
quer durch die stadt gestaut und endlich in der redaktion angekommen.
dort finde ich das übliche chaos vor: mein arbeitsplatz ist
mit ca. 25m fax, hunderten von flyern und den vollen aschenbechern
vom vortag zugemüllt. also erstmal alles zur seite schieben,
dann arbeiten. halb im monitor versunken um halb acht (abends) der
entscheidende anruf: ein kollege hat noch eine fredl-fesl-karte
übrig! einziges problem ist, daß das ganze in einer halben
stunde in oberhaching startet. ich fahre schnellstmöglich die
computer runter, und um zeit zu sparen überlege ich schon dabei,
wo ich geparkt habe. die dringend notwendige nahrungsaufnahme wurde
vorerst gestrichen.
gerade noch rechtzeitig angekommen, verhilft mir das konzert wieder
zu guter laune. was jedoch danach noch bleibt, ist dieser unsägliche
hunger. da hilft nur ein kurzer boxenstop
an der tanke. zwei ballisto müssen reichen, denn ich müßte
ja schon längst in der schwanthalerstraße auf dem dgb-politologenfest
sein. dort gebe ich mich als erstes mit meinem kollegen olaf gegenüber
einem provokant mit einem juso-aufkleber verschandelten typen als
gewerkschaftler aus. der ist von unseren märchen auf seine
naive art schwer entzückt und lädt mich am sonntag zum
juso-stammtisch ein, mich - den schröder-hasser!
aber immerhin, kaum eine dreiviertelstunde und schon ein date!
danach scheint das sehr durchschnittliche fest doch noch zu kippen,
als sich ein kerl namens chris einfach ungefragt hinter die bar
stellt und cocktails verkauft. dazu muß ich sagen, daß
er keinerlei schimmer davon hat, was wo hineingehört und auf
dieser party sowieso nichts verloren hatte. ein caipirinha war zum
beispiel einfach eis, mit reichlich rum aufgegossen. das schmeckt
natürlich scheiße, aber wer sich beschwehrt hat, bekam
zu hören: "das ist halt nicht so eine mädchenmischung!"
wer traut sich da noch zu widersprechen? als dann aber zehn reklamationen
auf einmal kamen, entschloß ich mich abzuhauen, bevor die
situation eskaliert. so wie damals nach dem frühmorgendlichen
spontan-vortrag über freie liebe, der uns den protest von mindestens
vierzig jungs einbrachte, aber auch jeweils eine frau für die
nacht!
ich fuhr weiter richtung tu-mensa zum großen uni-fest. der
stempel vom dgb, brachte mich schnell und unkompliziert dort hinein,
wo ich meinen freund mene vermutete. ihn auf dieser riesenparty
zu finden war leider hoffnungslos. stattdessen traf ich eine freundin
mit zwei amis im schlepp, die sie irgendwo in griechenland aufgegabelt
hatte. eine gute gelegenheit um mein englisch zu ölen, dachte
ich. doch beim wilden rumtanzen hab' ich mir nur meinen fuß
verstaucht und mußte denn rest des abends humpeln und zuschauen!
mist! langsam wurde es vier und wir (die freundin, die amis und
ich) entschlossen uns noch woanders hinzugehen. nur wo? während
wir überlegeten legte sie sich mit einem franzosen an, der
ihre anmache, "i want to be a supermodel,
could you help me?" albern fand. schnellstart ins p1! ich ließ
einen der amis mit meinem auto fahren, nachdem er beteuert hatte
nüchtern zu sein, soetwas ähnliches wie einen führerschein
zu besitzen und außerdem in den usa auch einen "shifter-beemer"
zu haben!
vor dem p1 hatten wir nur einen kurzen auftritt. damir scheint
kein herz für amerikanische trunkenbolde zu haben. verhandeln
hatte hier noch nie sinn, also weiter in den kunstpark. der ami,
der wider erwarten gut fuhr, durfte wieder ran. doch eine hand hatte
ich immer an der handbremse, denn kontrolle ist besser ("balance
of power", würde der amerikaner sagen). im kpo hatten
wir auch wenig glück. uns wollte keiner in seinem club sehen,
doch wenigstens bekamen die anderen noch ein gyros,
und wir durften noch die letzten takte in rick's bar tanzen. draußen
war es inzwischen hell, doch vor der milchbar stand immernoch eine
schlange. sinnlos sich dort anzustellen, also heimfahrt, denn es
war ja schon halb neun. großmütig sagte ich: "klar,
ich fahr euch noch heim!" leichter gesagt als getan. denn eine
zivilstreife warf ein wachsames auge auf uns, als der eine amerikaner
auf der balanstraße sich bei voller fahrt aus dem fenster
stieg, um die frische morgenluft zu geniessen.
das war genug: "führerschein und fahrzeugpapiere, bitte!"
höflich waren sie ja, aber lästig! "steigen sie doch
bitte mal aus!", "haben die anderen auch ausweise dabei?",
alles standardfragen, auch diese "haben sie was getrunken?"
standardantwort darauf: "nein!" trotzdem, ich kann mir
kaum erkären warum, bestand die polizeiobermeisterin, nennen
wir sie renate, auf einem alkotest. ob ich einverstanden wäre?
zwangsweise ja! nach dutzenden anläufen das "ernüchternde"
ergebnis: ich hatte die leidige 0,5er grenze
gesprengt! die fahrt war hier also erstmal zu ende. doch damit nicht
genug. die frage, ob ich drogen zu mir genommen hätte, kam
wirklich überraschend, genauso wie das "finger-mit-geschlossenen-augen-vor-dem-körper-zusammen-führen-spiel"
und der improvisierte "maglite-augentest".
nach 25h mit kontktlinsen schaut man nunmal trübe drein! und
einen trocknen mund kann man auch mal einfach so haben, oder? dann
begann die sucherei, jacke, hose, alles! "haben sie irgendwelche
spitzen gegenstände im geldbeutel?", was für eine
frage, dachte ich, wer nimmt hier drogen?
"nein", sagte ich, und schon warf sie alles auf den boden.
vielleicht wäre sie freundlicher gewesen, wenn ich sie deshalb
nicht gleich rüde angefahren hätte? ach egal! auf jeden
fall stecke ich ab jetzt ein paar rasierklingen zwischen meine kreditkarten.
selbstverständlich fand sie nichts, auch nicht, als ich die
hände auf das wagendach legte. nur ein glück, daß
sie nicht in handschuhfach geschaut haben. ob sie mir noch geglaubt
hätten, daß ich zum reinigen der scheibenwaschdüsen
außschließlich spritzennadeln benutze? sicher nicht!
stimmt aber! um das alkomatenergebnis rechtlich unanfechtbar zumachen,
mußte ich natürlich mitkommen zum erneuten blasen. ich
verabschiedete mich von den anderen, die dastanden, als würde
ich zum schaffot geführt werden. sie lagen gar nicht so verkehrt!
mit lautem krachen legte die junge polizistin den rückwärtsgang
meines geliebten autos ein und grinste dabei. ich schrie. na wenigsten
ist er gut geparkt, da scheint es eine sonderausbildung zu geben,
klasse!
wie
es weiterging, erfahrt ihr in kommende woche im zweiten teil unseres
polizeireports: polizeirevier ettstraße, was polizisten privat
so machen, der super-alkomat, sensible daten, gerichtsmedizin und
welche legalen arzneimittel den nachweis von drogen im blut erschweren
- stay tuned!
den zweiten teil dieses schonungslosen berichts findet ihr hier:
[ polizeireport, teil 2 ]
<pg>
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