Morgens halb acht in München, Teil 2
Munichx Online-Redakteure unter Verdacht
teil 1 dieses schonungslosen berichts findet ihr hier: [ polizeireport,
teil 1 ]
meine zwei neuen freunde fuhren mit mir los in die beethovenstraße.
die fahrt versuchte ich mit etwas smalltalk aufzulockern, aber die
polizeiobermeisterin erwies sich schnell als wenig gesprächig
und warf mir nur blicke der abscheu zu. also begann ich sie nach
ihren job zu löchern: "wie lange machen sie das denn schon?",
"haben sie oft nachtschicht?", "ist nachtschicht
eine strafmaßnahme?", "hat schon jemand ins auto
gekotzt?" - solche fragen eben. in der beethovenstraße
mußte der kollege leider eingestehen, daß der automat
kaputt sei. ich vermutete eine überlastungerscheinung infolge
des frühlingsfestes. also weiter in präsidum. "ettstraße",
sagte ich begeistert! "kennen sie das?" fragte sie, als
wollte sie die antwort "stammgast" hören. ich erzählte
ihr von meinen vespa-erlebnissen und wollte sie auf die "derrick-schiene"
lenken, vielleicht hätten wir dort einen gemeinsamen ansatzpunkt
für einen kleinen plausch.
doch davon keine spur, sie war zu gut in der polizeischule, alle
ihre fragen waren mir irgendwie zu investigativ.
schade, denn sie war recht hübsch, wenn auch älter als
ich. ich stellte mir vor, wie es wäre, mit ihr zusammen zu
sein. immer dieser strenge blick und diese stechenden fragen. ich
brach das gepräch ab. als ich bemerkte, daß sie nicht
angeschnallt war, hakte ich sofort nach und erklärte, daß
die polizei so ein schlechtes vorbild abgebe. doch sie konterte
damit, daß sie sich wehren können müsse im falle
eines angriffs. auch das thema kampfsport, was ich daraufhin anschlug,
war schnell erschöpft!
im polizeipräsidium führte man mich in ein steriles
kämmerchen mit einer kleinen theke, die vermutlich aufgestellt
wurde, damit die alkis nicht so fremdeln. durch die glasscheibe
konnte ich im nebenraum die heilige maschine sehen: der super-alkomat.
nach ein paar schlücken wasser aus dem hahn (es empfielt sich
in der ettstraße erst kurz den rost ablaufen zu lassen) ging
es zur sache. "lange und feste pusten bis die sternchen auf
dem display weg sind, das ganze zweimal hintereinander.", erklärte
sie. klingt einfach. ich holte also luft und pustete was das zeug
hielt. die displaysternchen waren noch nicht alle verschwunden,
da begann ich aus atemnot selber welche zu sehen. ich verschwieg
das und pustete weiter, bis sie stop sagte. geschafft! das maschinchen
war mir schlagartig sympatisch, als ich nach luft rang, begann es
sich laut anzeige "mit frischluft zu spülen", genau
wie ich! doch ich mußte nochmal ran.
beim zweiten mal hatte ich schon eine gewisse routine und wollte
gar nicht mehr aufhören, das lustig ratternde kästchen
an meinem alkoholschwangeren odem teilhaben zu lassen. man nahm
mir das mundstück weg. enttäuscht ging ich aus gewohnheit
zur theke, wo der kollege schon den polizeiüblichen polizeikram
erledigte, während der alkomat einen halben meter papier über
meinen atem verfasste. dort fand ich eine interessante lektüre:
ein buch, in dem seitenweise die münchner alkoholsünder
der letzten zeit mit name, adresse, geburtsdatum und vor allem alkoholspiegel
aufgelistet waren. ich schmökerte ein bißchen und dachte
an den armen rainer, der mit 0.46mg/l (0.92 promille) hier seinen
führerschein gelassen hat. der arme. bekannt kam mir jedoch
niemand vor. renate sah mich blättern, und auf einmal fuhr
ihr ein blitz durchs gesicht. ich konnte für einen augenblick
auf ihrer strin das wort "sensible daten" aufblitzen sehen.
sie riß mir das buch weg. ich sagte, daß ich ein photographisches
gedächtnis hätte und es jetzt ohnehin zu spät wäre.
sie gab mir das buch trozdem nicht wieder. außerdem habe ich
auch kein solches supergedächtnis, aber z.b. an den armen rainer
denke ich heute noch! jetzt war mir wieder fad. ich sinnierte über
datenschutz und wer wohl meinen eintrag lesen würde. vielleicht
ein bekannter, dann fühlt er sich hier nicht mehr so verlassen
zwischen soviel polizeimief?
als das ergebnis dann ausgespuckt war, folgten noch ein paar leichte
fragen: "was haben sie getrunken?" - "ach, ich hab
mal am sekt genippt." - "wieviel?" - "weiß
nicht."- "zwei gläser?" - "einverstanden!".
"und was haben sie wann zuletzt gegessen?" - "zwei
ballisto von der tanke um halb zehn." "is aber wenig!",
sagte renate, doch ich verzichtete darauf, ihr meinen tagesablauf
zu schildern und sagte nur: "ja, war stressig heute!"
- und das war es ja immer noch. denn das war erst die halbe miete.
man war sich nicht zu schade, mich jetzt in die frauenlobstraße
einzuladen, genauer gesagt in die gerichtsmedizin
zum drogentest. im auto startete ich wieder einen versuch in richtung
smalltalk und siehe da, kaum kannten wir uns etwas besser, fing
das eis auch schon an zu bröckeln. ich weiß jetzt, daß
sie gerne, vermutlich privat, in den nachtwerk
club zum schlagerabend geht. wie saudoof ich es mittlerweile
dort finde, habe ich ihr nicht gesagt, denn ich wollte unser junges
glück nicht gleich wieder zerstören.
stattdessen schwärmte ich ihr vom [ atomic
cafe ] vor. doch sie kannte den laden nicht einmal. es
folgte ein erneuter totpunkt. mist! ich stellte die verlegenheitsfrage:
"der wievielte bin ich denn heute?", sie winkte ab, "zuviele!".
schade das war nicht meine art von humor, schon wieder eine konversatorische
sackgasse. aber wir waren ja schon
da. drinnen gab man mir einen becher, den ich bereitwillig voll-
und gekonnt rundherum vollpieselte. miserabel verschlossen nahm
ich ihn und reichte ihn der großen blonden polizistin, doch
sie zeigte nur auf den schreibtisch. schade, das hätte mir
jetzt gefallen. dann knallte ich ihn eben der ärtztin hin mit
der bemerkung: "vorsicht heiß!". es schwappte ein
wenig unter dem deckel hervor, und prompt fraß sich mein morgenurin
in die unterlagen! keiner sagte etwas, ich war wohl nicht der erste,
dem dieser witz einfiel.
nachdem ich gewogen und vermessen wurde, hatte ich noch etwas
zeit bis zur blutabnahme. so konnte ich nocheinmal zum selbsttest
den weißen strich, der in den pflegeleichten linoleumboden
eingelassen ist, mit meinem kaputten fuß entlanghumpeln. der
begleiter meiner polizistin sah mich mitleidig an. aber mitleid
wollte ich nicht, also ließ ich es sein. alles war bereit
zum aderlaß. schnell die kanüle in die vene gejagt und
los. zwei oder drei vacuum-ampullen waren schnell mit meinen blut
vollgespült. fast schmerzfrei. man fragte mich ob ich irgendwelche
medikamente genommen hätte, und ich erzählte von meinem
morgendlichen paracetamol und listete sicherheitshalber alles auf
was mir so einfiel: "codipront, rhinopront, gelomyrthol forte,
gelonida, dociton, insidon, diclofenac, ass, tamadolor, ..."
an dieser stelle viel spaß beim nachweisen! doch vor der tür
wirkte ich orientierungslos, denn ich dachte, ich sei noch in der
ettstraße. erste ausfallerscheinungen.
gnädig bot mir die polizistin an mich zur u-bahn zu fahren.
sehr nett, aber nach hause wäre besser. doch sie ließ
nicht mit sich diskutieren. auch meinen autoschlüssel wollte
sie nicht rausrücken. sch...! aber jeder mensch hat einen ersatzschlüssel
daheim, halb so wild. am sendliner tor angekommen sagte ich motorisch:
"auf wiedersehen!", meinte es aber gewiss nicht dienstlich.
unser tip: um rechtzeitig nach hause zu kommen, sollte man besser
nüchtern fahren!!
teil 1 dieses schonungslosen berichts findet ihr hier: [ polizeireport,
teil 1 ]
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