Wohnungssuche in München - Ein Erfahrungsbericht
Blondine sucht Wohnung
das neue jahr begann ja gut: meine wohnung wurde gekündigt.
nach der ersten verzweiflung dann der gedanke: was kann einem besseres
passieren, als das neue jahrtausend in einer neuen bleibe zu beginnen?
ein neuanfang? erst einmal dachte ich: alles eine frage der organisation.
was suchte ich: ein behagliches 1-zimmer-appartement mit parkett,
ca. 30 m², separate küche für 700 dm ohne provision. natürlich in
guter lage - als single muß man einfach
dort sein, wo das leben dieser stadt pulsiert.
blond
und blauäugig wie ich nun mal bin war ich voller optimismus. meine
frühstückslektüre, die süddeutsche zeitung, lieferte mir den meiner
meinung nach besten wohnungsanzeigenmarkt. der erste besichtigungsort
war neuhausen, nähe stiglmeyerplatz: ein 1-zimmer-appartement, 26m²
mit balkon mit neu renoviertem bad für 590 dm. ein scheußliches
schnäppchen in einem dünnwandigen weißen plattenbau.
die besichtigung war bei meinem eintreffen schon im gange, mehrere
mädels füllten schon eifrig die formulare des wohnungsvermittlers
aus. nichts für mich.
etwas später: arcis-, ecke schellingstraße. in dem moment, als
ich vor dem haus die klingel suchte, öffnete mir ein hübscher
typ die tür und fragte, ob ich denn auch die wohnung anschauen
wolle. wir könnten ja zusammen hochgehen. das war mir schon lange
nicht mehr in der "weltstadt mit herz" passiert. oben angekommen,
war das appartment schon voller junger mädels, optimal gestylt und
gut drauf. ich fühlte mich inmitten dieser spice
girls schon etwas eingestaubt und bekam zweifel an meiner
eigenen hohen marktwerteinschätzung. es war ein schönes appartement
- aber leider erst in monaten frei.
auf dem weg zum weihnachtsmarkt lief der junge typ von vorhin plötzlich
neben mir. schlank und drahtig mit einer lustigen blauen pudelmütze
sprach er mich mit akzent an, sicher australier und surfer. sein
abenteuer sei auch schon seit längerem
der münchner wohnungsmarkt, beichtete er mir. er suchte schon längere
zeit ein zimmer bis zum ende des sommersemesters, fand aber keins.
mehrere becher glühwein dämpften die in mir aufsteigende nervosität
wegen meiner bevorstehenden obdachlosigkeit.
nun schwante mir einiges.
am wochenende gab ich es mir dann so richtig: ich durchstöberte
alle tageszeitungen, die "kurz und fündig" und die wohnungsbörse
im internet. mein timeplaner war voll.
mittlerweile wurde ich realistischer und kalkulierte schon 900 dm
monatsmiete mit ein. auch die unangenehme option der untermiete
akzeptierte ich. pro stunde eine besichtigung stand auf der tagesordnung.
nr. 1: kurfürstenplatz, schön zentral, untermiete. die vermieterin
sagte am telefon, ich wäre die erste interessentin. als ich ankam,
eröffnete sie mir: jemand kam mir zuvor. blöd gelaufen. eine stunde
später isarvorstadt: wieder eine wohnung
zur untermiete. "altbau" konnte hier wörtlich genommen werden: linoleumboden,
gasheizung und der vermieter unheimlich
- er war um die sechzig und zog ein bein nach. irgendetwas erinnerte
mich an einen schlechten krimi. auch an den folgenden wohnungen
war immer irgendetwas faul, obwohl meine ansprüche längst nicht
mehr so hoch waren.
um 19h zu besichtigen: souterrainwohnung, 560 dm, am schwabinger
krankenhaus, u-bahn scheidplatz. und wer steigt wohl an der uni
in mein abteil? der nette typ vom mittwoch setzt sich doch glatt
neben mich."na, auch wieder auf wohnungssuche?",
fragte ich. überrascht schaute er mich an. hatte er mich wirklich
nicht gesehen? müde wirkte er und gar nicht mehr so nett, eher karg
kam seine antwort: er käme gerade aus der uni und hätte die wohnungssuche
ausgesetzt, weil er eine pause bräuchte. "schlappschwanz",
dachte ich. mein wille wurde entfacht, so schnell würde ich nicht
aufgeben.
die bude am schwabinger krankenhaus war gar nicht so schlecht.
der mieter war musikstudent und hatte eine überraschend gemütliche
kellerwohnung. hätte ich sofort genommen,
aber das meinten wohl 30 weitere auch. entnervt zog ich ab, als
auch noch so ein schleimer erschien,
der auch musiker war - da hatte man doch so viel gemeinsam.
am samstag morgen dann: tatort klenzestraße.
weißgeputzter 70er jahre bau, sonniges appartment. "wirklich schön",
hatte die vermieterin am telefon gemeint - und ich würde die erste
sein. das glaubte ich mittlerweile nicht mehr. als ich auf den hausmeister
wartete, erschien tatsächlich eine weitere interessentin. blond
gefärbter pagenkopf, pelzkragen und strotzendes selbstbewußtsein.
"ach schön, wie hier das licht ins schlafzimmer fällt!", schleimte
sie, "die wohnung ist aber auch tadellos
erhalten". das gefiel der vermieterin. ich suchte das weite.
verzweiflung. meine freundin nicola hatte schon einschlägige erfahrung
in der wohnungssuche und tröstete mich. ich hätte doch erst angefangen.
am montag schaute ich mir ein zimmer in einer wohnung mit architekturbüro
an. in anderen wohnungen wird so ein zimmer als abstellraum
benutzt. naja, man hört, daß es den architekten wohl auch nicht
so gut geht. der vermieterin konnte ich auch mit großer mühe keine
sympathie abringen, völlig nervös empfing sie mich - ich sei doch
eine halbe stunde zu früh, denn ihre uhr zeigte erst halb fünf.
natürlich wollte ich nicht unhöflich
sein und entschuldigte mich dafür, sie bei ihrem telefonat gestört
zu haben. obwohl es ganz sicher 5h war. soweit war es jetzt also
schon gekommen?
zwei tage später fand ich dann doch noch meine traumwohnung:
30 m² dachgeschoß, altbau, mit separater küche für 833 dm warm.
einfach so. ich hatte die anzeige gelesen, war sofort hingefahren,
hatte die wohnung eingehend geprüft und sofort den mietvertrag unterschrieben.
ohne 30 andere interessenten, ohne schleimer, ohne verdächtige "über"-mieter.
ja, eine portion glück gehört zur wohnungssuche
in münchen. letztens ging ich zufällig an einer menschentraube
vorbei, die vor einem haus wartete. man sprach über eine wohnung,
die dort zu vermieten sei. und ich erkannte ein gesicht: der australische
typ hatte anscheinend immer noch keine bleibe gefunden. "schlappschwanz",
dachte ich und lächelte.
<kirsten>
|