Munichx-mas
Die einzig wahre Weihnachtsgeschichte
redaktionssitzung gestern abend. problem: jetzt haben wir eine tolle weihnachtsgeschichte
für unsere leser angekündigt und wissen nicht, worüber wir schreiben
sollen. verdammt. wir sitzen in einer zwickmühle. sicher, irgendeine geschichte
von armen kindern, die keine geschenke kriegen, könnte sich jeder aus den
fingern saugen. aber nicht mit uns! unser magazin hat nämlich einen anspruch:
wir wollen unseren lesern fakten, fakten und nochmals fakten bieten - auf höchstem
niveau, so, wie sie es gewohnt sind. was tun? intensives brainstorming
ist angesagt. doch auch der kasten bier hilft nicht viel.
man quatscht über dies, man quatscht über das, als plötzlich
ein satz fällt, der alle verstummen läßt. "kannst du das
nochmal wiederholen?", frage ich den leiter der marketing-abteilung. und
er wiederholt es, eiskalt, mit ruhiger stimme: "ich glaube, daß es
keinen weihnachtsmann gibt!"
eisige stille. der redaktionsleiter verfällt in leises schluchzen, dem
art director rollen tränen über die wange und die praktikantin starrt
den ressortleiter medizin mit ausdruckslosem gesicht und weitgeöffnetem mund
an. jemand hatte einen schrecklichen verdacht ausgesprochen.
den weihnachtsmann gibt es nicht?
aufruhr
bricht aus. die stimmen überschlagen sich: "und wer hat mir letztes
jahr das koks unter den baum gelegt?" "nein, nein, nein, den weihnachtsmann
gibt's doch! menno!" "aber warum kriegen dann alle kinder geschenke?"
"und wer hat mich letztens auf der redaktionstoilette mit der rute verprügelt,
wenn nicht knecht ruprecht?" "das war ich!"
"und wer war der onkel mit den roten kleidern und dem langen bart letztens
im bus?" "nur ein alter transvestit." chaos, anarchie, aufruhr.
"meine damen und herren, ich bitte sie!", brülle ich dazwischen.
"noch ist nichts bewiesen! darf ich sie daran erinnern, daß wir journalisten
sind! so ein schrecklicher verdacht muß belegt werden! wo sind die beweise?"
kleinlaut gibt der leiter der marketing-abteilung zu: "tja, ich habe keine.
es war nur, weil..." "weil?", hake ich gewohnt investigativ nach.
"...weil dieses jahr nichts unter dem weihnachtsbaum lag!" der marketingmann
bricht weinend zusammen.
zärtlich wird er von uns allen in den arm genommen und gestreichelt. "aber
philipp, es ist doch noch nicht weihnachten. der weihnachtsmann hat dich bestimmt
nicht vergessen!", sage ich. mit glänzenden augen sieht er mich an:
"meinst du?" "ja, ganz sicher." "sicher?" "jaaaa."
versprichst du mir das?" "jaaaaaaaa." und da lächelt er wieder,
der alte marketingknochen. allgemeines aufatmen in der redaktion: natürlich
gibt es den weihnachtsmann, er ist manchmal nur etwas vergeßlich.
beruhigt gehen alle nach hause.
ich rauche noch eine. dann hole ich mein rotes lederkostüm
aus dem schrank, ziehe mir diesen häßlichen polyesterbart um, mache
den schlitten klar, trete den rentieren in den arsch und verfluche meinen neuen
organizer. habe ich doch tatsächlich den marketing-leiter vergessen.
natürlich gibt es den weihnachtsmann. und plötzlich habe ich auch
eine gute idee, welche weihnachtsgeschichte ich schreiben
werde.
<og>
|