Eigentlich hatte er für das Jahr 2003 eine Auszeit geplant, um nach der Veröffentlichung seiner LE DETOUR-Longbox ein paar Dinge in Ordnung zu bringen und weitere Projekte zu planen.Das Wichtigste jedoch behielt er für sich: Ein neues Album befand sich in Arbeit; eins, das sich durch seine Andersartigkeit und Ambitioniertheit von seinen bisherigen Veröffentlichungen unterscheidet ? ein Album, das Dominque A. einem wirklich guten Produzenten anvertrauen wollte. Nachdem er bei AUGURI (2001) mit dem englischen Produzenten John Parish zusammengearbeitet hatte, wandte er sich an den Franzosen Jean Lamoot (Noir Désir, Bashung, Zebda etc.), denn Jean versteht genau jene Art von ?Unvorsichtigkeit?, die der Sänger zu begehen plante: die der Zusammenarbeit mit dem Schöpfer eines ambivalenten Projekts, das nicht aufhört, ihn zu faszinieren.
Über diese Anekdote hinaus schien das Zusammentreffen dieser beiden Geister unvermeidlich. Der eine wollte erstmals so wenig wie möglich auf seinem eigenen Album in Erscheinung treten. Der andere bot an, eine Reihe begabter Künstler einzuspannen, die bereits an die Arbeit mit ihm gewöhnt waren: die Arrangeure Arnaud Devos und Jean-Louis Solans, Schlagzeuger Martyn Barker (Joseph Arthur, Billy Bragg etc.) und Bassist Simon Edwards (Talk Talk, Beth Gibbons etc.). Eine erste Probesession bestehend aus sechs Songs, für die Dominique sehr aufwendige Modelle entwickelt hatte, fand im Sommer 2003 statt. Sobald er Dobranoc hörte, war ihm klar, dass er ein Team gefunden hatte, mit dessen Hilfe er sich von seiner bis dato eher systematischen Herangehensweise an seine Arrangements lösen konnte. Bereits mit der Veröffentlichung von LE DÉTOUR hatte sich das Blatt zugunsten eines neuen Arbeitsstils gewendet: Der ehemalige ?Minnesänger des Raunens? wollte nun mit Musikern aus anderen Genres, anderen Kulturen arbeiten ? um sich von seinem bisherigen Minimalismus und seiner Zurückhaltung zu lösen auf die Gefahr hin, aufmerksamer Zuhörer eines im Entstehen begriffenen Albums (seines eigenen nämlich) zu werden, das er selbst beim ersten Anhören nur mit Mühe erkennt.
Nachdem alles Grundsätzliche geklärt war, machten die Aufnahmen rapide Fortschritte. Zwölf Songs mit Saiten und Blasinstrumenten waren innerhalb von drei Monaten fertig gestellt. Vier weitere, aufgenommen in einem an ein Livekonzert erinnernden Stil, machten den Set komplett und sorgten für frischen Wind auf dem ungewöhnlich dichten Album. Mit Ausnahme vielleicht seiner Kollaborationen mit Yann Tiersen sind Dominques Stücke bisher nie in einem dermaßen großen Rahmen aufgenommen worden. Er wagte einen mutigen Schritt, als er beschloss, seine Musik in die Hände ambitionierter Arrangeure zu legen; angesichts des Ergebnisses kann man ihm daraus allerdings keinen Vorwurf machen, denn die Kompositionen werden von den Arrangements wunderschön untermalt. Man glaubt beinahe, es mit einem neuen Dominque A. zu tun zu haben: weniger nüchtern, mehr lichtdurchflutet. Nach vorn gedrängt von diesem neuen Impuls überrascht er seine Fans mit etwas, das man vielleicht als sein erstes reifes Album bezeichnen kann. Ironischerweise hat er es TOUT SERA COMME AVANT (?Alles bleibt wie es war?) genannt, obwohl das Resultat ? wie REMUÉ ? eine Herausforderung für die bisherige Diskographie des Künstlers darstellt.
Alles begann mit einem Missverständnis: Die Auszeit sollte dem Schreiben gewidmet werden, doch die mit Kugelschreiber bekritzelte Seiten entwickelten sich zu Liedern. Der Künstler mag irgendeinen alten Kuli benutzt haben, beim Produkt seiner Mühen handelt es sich jedoch um alles andere als irgendwelche alten Songs. Wieder einmal hat Dominique A. beschlossen, einen Schritt nach vorn zu gehen. TOUT SERA COMME AVANT liefert einen der intimsten (Le fils d?un enfant), einen der erstaunlichsten (L?inuktitut), einen der kinematographischsten (Bowling) und einen der am süßesten ironischen (La Retraite à Miami) Texte in der gesamten Karriere von Dominique A. Er gibt selbst zu, dass ein Album wie dieses vor fünf Jahren nicht möglich gewesen wäre. Heute ist er dazu bereit und hat sogar beschlossen, die Titel seiner neuen Kompositionen einer Auswahl von zeitgenössischen Autoren, die er selbst sehr schätzt, anzuvertrauen (Richard Morgiève, Olivier Adam, Brigitte Giraud, Chloé Delaume etc.), damit diese daraus neue Geschichten entwickeln können. Schon immer stark von der Literatur inspiriert, zollt Dominique A. ihr nun Tribut. Das Buch, das ebenfalls den Titel ?Tout sera comme avant? trägt, erscheint am selben Tag wie das Album.
Mehr als zehn Jahre nach der Veröffentlichung von LA FOSSETTE verspürt Dominique A. immer noch jene Begeisterung für das Risiko und jenen Drang nach Einzigartigkeit, die ihn zu einem Künstler machen, dessen Weg sowohl ungewöhnlich wie faszinierend ist, einem Sänger, der seine Lieder echten Künstlern anvertraut, um sie sich durch seine gelassenen Interpretation zurückzuerobern. Der Versal ?A.? ist zu einer Referenz für eine Generation von Autoren geworden.
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