Gute Stars! "Widersprüche, Widersprüche, immer diese Widersprüche" sang Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen einst, und es gibt wohl kaum ein Bandduo, das so viele Widersprüche auf eine so wunderbar-unterhaltsamte, geniale Art in sich vereint wie STEREO TOTAL: Punkrock versus Hippieshit, Electro und Rock’n’Roll, Bubblegum-Pop versus Champagner-Chanson, Deutschland und Frankreich, Man versus. Nature, analog und digital, Gott und die Welt, Männer gegen Frauen, Cactus versus Brezel!
Seit nun mehr 19 Jahren bespielt das Traumpaar des intelligenten Trash-Humors die Bühnen dieser Welt von Potsdam bis Mexiko-City und sind echte Legends in the making. Stereo Total sind der internationale Hit-Kiosk um die Ecke, in dem es für ein paar Eurofünzig immer eine bunte Tüte Gemischtes für uns gibt.
Hit auf Hit!
Auf ihrem 11. Studioalbum rappelt es mal wieder außerordentlich im Karton: Es gibt 60ies-Beat mit Erfolgsgarantie ("Jaloux de mon succès"), Electro-funkfeminismus ("Die Frau in der Musik"), ein raffiniertes Lied über Popart ("Pixelize Me"), B-Movie-Soundtracks ("Ich will Blut sehen"), Ein Lied für Alice Schwarzer ("Das Monstrum"), Starke Frauen und schwache Männer ("Nympho
Maniaque"), Musik für die Dorfdisco ("We don’t wanna dance") und ein Lied für Vegetarier ("Ein Lied für Vegetarier"). CACTUS VS. BREZEL ist ein Hit-Album für das metrosexuell-orientierte Landei in uns allen.
Und da können Sie gerne die leuchtenden Nachbarsterne von den BEASTIE BOYS bis hin zu den STROKES befragen, die sie schon als Fans auf ihre Welttourneen mitnahmen: Wenn es eine Band gibt, die vom Funkturm am Alexanderplatz seit nunmehr fast zwei Dekaden in der ganzen Welt mit
Freude empfangen wird, dann ist das STEREO TOTAL. Sie sind eben nicht der aufgeblasene Akt, der den Deutschen als Weltstars verkauft wird, sondern sie sind die guten Stars mit (zufällig) deutschem Wohnsitz, die auf ihren musikalischen Reisen die ganze Welt besuchen.
Zum Produzieren fuhren Francoise Cactus und Brezel Göring diesmal nach L.A. ins legendäre Stonehenge-Studio um dort mit dem befreundeten Musiker und Produzenten Gus Seyffert die Musik live auf ein Tonband einzuspielen. Fehler ist King. Und wie das bei echten Könnern der Fall
ist: Jeder Fehler klingt hier wie von langer Hand geplanter Geniestreich.
Gus Seyffert schätzt der Rock- und Popauskenner in der Kategorie International gerade als Bassisten (auch auf CACTUS VERSUS BREZEL) der BLACK KEYS.
Eher national fokussierte Gazettenblätterer dürften ihn als Co-Autoren des Liedes "Taken by a stranger" kennen, mit dem Lena den Echo – nein Entschuldigung, es war der Eurovision Song Contest! – erfolglos verteidigte. Am Song hat's am Ende nicht gelegen...
Klaus und Klaus
Auch zum Cover dieses Albums gäbe es auch noch eine hübsche Anekdote zu vermelden: Der Berliner Künstler Klaus Theuerkauf fand dieses Cover einst auf einem Flohmarkt und
modifizierte es entsprechend: Readymade-Recycling. Ja, warum soll man auch neue Cover malen, wenn es in den Grabbelkisten tausende von Motiven gibt, die kaum mehr als 100 Leute je zu Gesicht bekommen haben?! Das Cover stammt im Original übrigens (zufällig as well!) vom Trash-
Beat-Poeten und Comic-Zeichner Klaus "Katze" Cornfield, und wer weiß, bei welcher Platte Klaus Theuerkauf sich hier bedient hat, dem schenkt die Plattenfirma glatt eine Tüte Overstock!
Wir freuen uns als Stereo-Total-Fans der ersten Stunde gerade wie Teenager auf die allerneuste Ausgabe ihres neusten Superantihelden-Comics, wie auf die neue geklaute Jeans, auf die neueste heiße Scheibe, für die man fünfzig Kilometer weit getrampt ist! Und immerzu kribbelt es nervös im Bauch wie beim allerersten Zungenkuss of Love: Stereo Total sind back in town. Und um abschließend das Comic-Duo Katz und Goldt zu zitieren: "Das Duo, das das tut, was Duos tun sollten".
Ja, diese Musik hört sich an!
Ihr:
Schön von Hinten
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