"Lunapark". Michaela Melián arbeitet in ihren raumgreifenden Installationen multidisziplinär mit Zeichnung, Objekten, Film, Fotografie und Musik. Sie zählt zu einer neuen Generation von KonzeptkünstlerInnen, die aus einem popkulturellen Selbstverständnis heraus Genderthemen, Bildkultur, Alltagsobjekte und Musik zu einem analytisch durchdachten Werk verbinden.
Für ihre neue Einzelausstellung in der Barbara Gross Galerie entwickelt Melián die raumgreifende Arbeit Lunapark (2012) aus Glas, Licht und Musik.Glasobjekte sind auf einer Tischplatte angeordnet, die im abgedunkelten Raum von einem Diaprojektor beleuchtet werden. Banale, dem Alltag entstammende Gefäße wie Flaschen, Glühbirnen, Trinkgläser, Vasen oder CD-Hüllen finden sich darunter ebenso wie kostbare, mundgeblasene Gläser oder eigens für die Installation gefertigte, zu geometrischen Körpern geschliffene Prismen. Die unterschiedlichen Objekte auf dem Tisch werden durch die gebrochenen Lichtstrahlen zu immer neuen konstruktivistischen Konstellationen verbunden. Ein vor dem Objektiv installiertes Prisma, das durch einen Motor gedreht wird, erzeugt eine an den Wänden entlangwandernde, filmisch wirkende Projektion.
Die ursprünglichen Konturen lösen sich in eine abstrakte Stadtsilhouette in permanenter Fließbewegung auf.
Die assoziationsreiche Ästhetik der zwischen Licht und Dunkelheit oszillierenden fragilen Projektion erlangt in Lunapark durch das zeitgleiche Abspielen einer von der Künstlerin mit Gläsern erzeugten Musik eine akustische Komponente. Sowohl im Falle des Plattenspielers wie auch des Diaprojektors benutzt die Künstlerin bewusst analoge technische Apparate, die als Objekte Teil der Installation werden. Die ausgestellten Fotoarbeiten sind 2012 im Zusammenhang mit der Installation entstanden. Mit einem Gitter aus farbigen Fäden vernäht erhalten die Blätter einen dreidimensionalen, mehransichtigen Charakter, ihre haptische Oberfläche wird zu einer stofflichen Textur.
Die Verwendung von Glas spielt auf Ideen zur utopischen gläsernen Architektur an, wie sie in den Architekturvisionen von Paul Scheerbart, Bruno Taut und der „Gläsernen Kette“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts dargelegt wurden. Scheerbart forderte die Öffnung der Architektur mit Hilfe von Glas, wodurch er sich Synergieeffekte für die Entwicklung der Kultur versprach. Auch in Meliáns Lunapark klingt die utopische Idee des veränderlichen Sozialraumes an.
Michaela Melián, geb. 1956 in München, lebt und arbeitet in München und Hamburg. Einzelausstellungen (Auswahl): Städtische Galerie Nordhorn, 2011/2012; Memory Loops, Kunst im öffentlichen Raum, München, 2010; Lentos Kunstmuseum, Linz, 2009; LUDLOW 38, New York, 2009; CUBITT Gallery and Studios, London, 2008/2009
Aktuell sind Arbeiten von Michaela Melián zu sehen in der Shedhalle Zürich, Kunsthalle Nürnberg, Stadtgalerie Schwaz, Kunsthalle Bregenz und im Lentos Kunstmuseum, Linz.
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