Mit dem Bayerischen Kunstförderpreis Bildende Kunst werden jedes Jahr herausragende künstlerische Talente ausgezeichnet, die den Mittelpunkt ihres Schaffens in Bayern haben. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst unterstützt mit dieser Initiative außergewöhnlich begabte Künstlerinnen und Künstler unter 40 Jahren, um diese zu Beginn ihrer Karriere zu unterstützen. Der mit 5.000 € ausgelobte Bayerische Kunstförderpreis honoriert somit nicht nur hervorragende Leistungen, sondern er ist eine Ermutigung, das vielversprechende Talent weiterzuentwickeln. Am 20. November 2011 wurden die Künstlerinnen und Künstler von Staatsminister Dr. Wolfgang Heubisch im Rahmen einer Feierstunde im Kaisersaal der Münchner Residenz ausgezeichnet.
Der Künstler und Grafiker Christoph Kienzle ist dieses Jahr Preisträger des Spezialpreises
für Bildende Kunst, der 2011 für den Bereich „Grafik-Design - Printmedien“ verliehen wurde. Kienzle zeigt in seinen grafischen Arbeiten eine eigene künstlerische Haltung, die so höchste Anerkennung erfährt. Die Jury stellt in ihrer Begründung vor allem den Umgang mit Typografie heraus, deren Merkmale Klarheit und Kontrast, Idee und Konzeption, Präzision und Finesse seien. Die Inspirationen für seine Arbeiten findet der Künstler durch einen humorvollen, offenen Umgang mit der Welt dabei überall. Die Offenheit dieses besonderen Blicks zeigt sich in den Illustrationen, deren reduzierte Gestaltung ebenso feinfühlig, wie auch scharfsinnig und intelligent ist.
Die Installationen des Künstlerduos Böhler & Orendt zeigen modellhafte Szenarien und funktionieren als intelligente, wie auch humorvolle Kommentare auf die Widrigkeiten und Detailfehler der Welt. Die beiden Künstler, die seit 2007 zusammenarbeiten, untersuchen in ihren narrativen Arbeiten dabei die Sinnhaftigkeit gesellschaftlicher und soziopolitischer Phänomene und Strukturen. Die Jury hebt besonders das Verständnis des Duos hervor, Kunst nicht als größtmöglichen sozialen Konsens zu sehen, sondern als einen der wenigen Momente gesellschaftlicher Unabhängigkeit, in denen auch die Kommunikation kritischer Haltungen stattfinden kann. Böhler & Orendt üben diese Kritik auf subversive und ironische, manchmal sarkastische Weise.
Der Bildhauer Alexander Laner arbeitet mit existierenden Gegenständen, die er zweckentfremdet und deren Gegensätzlichkeiten er in seinem Werk vereint. In seiner Arbeit „Plattenspieler“ betreibt ein monströser Benzinmotor einen fragilen Plattenspieler, der so Stücke des Romantikers Chopin abspielt. Es entsteht ein Werk vergänglichen Charakters, das sich in dem Spannungsfeld der gegensätzlichen Komponenten bewegt und bei einem Benzinverbrauch von 2 – 3 Litern pro LP auch die Frage nach Aufwand und Ergebnis im Kulturbetrieb stellt. Laners Arbeiten liegt ein ironischer Blick zu Grunde, der bisweilen heiter, so manches Mal aber auch verstörend die Welt kommentiert
Das Werk des Münchner Malers Emanuel Seitz besteht aus sehr klaren, abstrakten Kompositionen und reduzierten geometrischen Formen, die sich durch eine besondere Tiefe und Farbigkeit auszeichnen. In immer neuen Variationen und Schattierungen – hell und dunkel, durchscheinend und opak – untersucht der Künstler dabei die Form an sich, wie auch das Verhältnis von Farbigkeit und Form. Seine Arbeitsweise beschreibt der Künstler als ein Experimentieren mit Farbe, für die er, ähnlich einem Alchemisten, immer neue Mischverhältnisse sucht. Die Jury bestätigt Seitz eine neue, eigenständige Bildsprache, die aus höchster Konzentration entstünde und eben diese vom Betrachter einfordere.
Die Künstlerin Susanne Wagner eröffnet in ihren Videoarbeiten einen anderen Blick auf Situationen und Bilder außerhalb des Alltags. In der Galerie der Künstler zeigt sie u.a. "Wir weben (Selbstportrait 10)", ein filmische Selbstportrait, dem ein literarischer Text Heinrich Heines zu Grunde liegt, der durch die filmische Umsetzung neu und zeitgenössisch kontextualisiert wird. Wagner lässt Bilder entstehen, die zwar bewusst das Absurde suchen, aber dennoch von einer feinfühligen Haltung geprägt sind. Die Künstlerin nutzt das Medium Video, um Elemente aus Musik, Performance, Theater und Text in ihr Werk zu inkorporieren. Es sind vielschichtige Arbeiten, die auf einen großen Referenzrahmen außerhalb der einzelnen Videoarbeit hinweisen.
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