München feiert seinen CSD traditionell am 2. Juliwochenende. Die Highlights sind die Politparade (9. Juli), das zweitägige Straßenfest rund um das Münchner Rathaus (9./10. Juli) und das RathausClubbing (9. Juli)! Bereits am Samstag davor (2. Juli) startet mit dem LeTRa-Angertorstraßenfest die einwöchige CSD-Pride-Week.
Nach Kontroverse um "Christina Street Day"
Münchner CSD bleibt "Christopher Street Day"
Der Münchner CSD macht in diesem Jahr die Sichtbarkeit von lesbischen Frauen zum Thema. Deshalb sollte der CSD einmalig einen weiblichen Vornamen tragen. In der lesbisch-schwulen Szene hat diese Aktion für hitzige Debatten gesorgt. Die Veranstalter wollen die Polemik um den Namen “Christina Street Day” jetzt entschärfen und kehren zu „Christopher Street Day“ zurück. Der lesbische Schwerpunkt soll über ein neues Motto und Veranstaltungen transportiert werden.
(11. März 2011) Seit Jahrzehnten treten Lesben und Schwule in München gemeinsam für ihre Rechte ein. Seit 15 Jahren veranstalten sie gemeinsam den Münchner Christopher Street Day. Das wollten die Organisatoren öffentlichkeitswirksam in Szene setzen; einmalig sollte der CSD Christina Street Day heißen. Doch vor allem innerhalb der schwulen Szene traf die Aktion auf großen Widerstand.
Die Veranstalter – Sub, LeTRa, Münchner Aids-Hilfe und Rosa Liste- wollen die Diskussion jetzt versachlichen, der CSD soll wieder Christopher Street Day heißen.
In der Veranstaltungswoche CSD-Pride-Week wurde im letzten Jahr von der Lesbenberatungsstelle LeTRa eine Studie vorgestellt, die untersuchte, wie die Münchener Lokalpresse über Schwule und Lesben berichtet. Im Zusammenhang mit dem CSD war das Ergebnis wenig überraschend, auch wenn der Münchner CSD seit Jahren gemeinsam von Schwulen und Lesben veranstaltet wird.
In den Medien ist immer wieder von der „Schwulenparade“ die Rede, die durchs „Schwulenviertel“ zieht. Auch bei politischen Themen, die Lesben und Schwule gemeinsam betreffen, ist das so: Die Redakteure schreiben über die „Schwulenehe“ oder darüber, dass Schwule nicht adoptieren dürfen. Lesben werden meistens ignoriert.
So wurde die Idee geboren: Jemand schlug vor, übrigens ein schwuler Mann, den CSD als „Christina Street Day“ auszuschreiben, um die Öffentlichkeit charmant und provokant auf dieses Ungleichgewicht hinzuweisen. Das wurde in den Vordiskussionen zum CSD 2011 aufgegriffen. Die Veranstalter sowie sämtliche Organisationen und Vereine, die am „Münchner Szenestammtisch“ teilnehmen, einigten sich auf diese Umbenennung mit dem Motto: "Gemeinsam für uns alle".
Der „Etikettenwechsel“ nur für dieses Jahr hat dann aber neben Zustimmung und sachlich konstruktiver Kritik auch zu heftigen Diskussionen und offener Ablehnung in der Szene geführt – auf unterschiedlichem Niveau und bei bedenklicher Aggressivität, vor allem auf Facebook und auf queer.de. Die Veranstalter haben sich nun damit in großer Runde auseinandergesetzt.
Das Ergebnis fasst Thomas Niederbühl, politischer Sprecher des CSD München und Stadtrat der Rosa Liste zusammen: „Durch die Diskussionen konnten wir erfreut zur Kenntnis nehmen, dass die historischen Stonewall-Unruhen und der Christopher Street Day für viele immer noch enorm identitätsstiftend sind. Die einmalige Umbenennung ist deshalb nicht vermittelbar. Es macht keinen Sinn, sich weiter um einen Namen zu streiten, Grabenkämpfe zu führen und die Szene zu entzweien. Schließlich sind wir in München doch mit der schwul-lesbischen Zusammenarbeit, die jetzt mancher Kritiker in Frage stellt, schon viel weiter.“
Bereits beim ersten CSD in München 1980 waren unter den 100 Leuten, die auf die Straße gingen, ein Dutzend Lesben dabei. Seit 15 Jahren tritt der CSD ausdrücklich als schwul-lesbisch auf. Die Eurogames 2004 waren ein vielbeachtetes schwul-lesbisches Großereignis. Seit zehn Jahren arbeiten Schwule, Lesben und Transgender gemeinsam an der Organisation des CSD. Sie marschieren bei der Parade miteinander, viele teilnehmende Vereine wie die Sportvereine oder das Jugendzentrum sind schwul-lesbisch. Lesben, Schwule und Transgender machen das Bühnenprogramm zusammen und feiern beim Rathaus-Clubbing gemeinsam.
„Natürlich gibt es soziale Unterschiede zwischen Schwulen und Lesben - und manchmal Kommunikationsprobleme“, räumt Niederbühl ein, „aber die gemeinsame Arbeit hat sich hervorragend entwickelt. Umso mehr hat es uns erschreckt, wie die Debatte um den Namen auch mit massiver verbaler Gewalt, Abwertung, persönlichen Angriffen und großer Lesbenfeindlichkeit geführt wurde. Denn gerade die gemeinsame Münchner Erfolgsgeschichte zeigt doch, dass es beim CSD nicht darum geht, nebeneinander –oder gar gegeneinander- zu marschieren, zu feiern und zu fordern. Es geht seit Jahren auch um ein Miteinander und Füreinander. Wir wollen nicht nur für Eigeninteressen eintreten, sondern durch ein solidarisches Miteinander gesellschaftliche Gleichstellung und Fortschritte erreichen, die Schwule, Lesben, Bisexuelle und Transgender gemeinsam betreffen. Deshalb muss, gerade nach dieser Debatte, lesbische Sichtbarkeit auf jeden Fall Schwerpunktthema des diesjährigen CSD bleiben und sich auch in einem neuen Motto ausdrücken. Die CSD-Veranstaltungen in der Pride Week sind dann eine gute Gelegenheit, gemeinsam über unsere Community und schwul-lesbische Solidarität nachzudenken – gerade mit denen, für die diese nicht selbstverständlich ist.“
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