Mit K – Tour 2012. Ossis stehen im Ruf, ganz besonders gerissen zu sein. Wie sonst sollen sie vierzig Jahre ohne Warenfetischismus, Pornohefte und Softdrinks überlebt haben?
KRAFTKLUB, bekanntermaßen die schönsten Söhne Karl-Marx-Stadts, machen diesem Ruf alle Ehre. Innerhalb des letzten Jahres spielten sie im Vorprogramm von Casper, Fettes Brot und den Beatsteaks und absolvierten ein stolzes 32 Daten umfassendes Festivalprogramm. Sprich: sie haben die eigene Bühnenshow zu bestechender Perfektion reifen und die ganze Verantwortung einfach den Headliner tragen lassen. Doch die Zeiten sind jetzt vorbei. Kraftklub traten im Herbst 2011 aus dem Support-Schatten heraus. Bis in die Haarspitzen motiviert, fit wie Germina-Turnschuhe und mit ihrem ersten, alles bisher da Gewesene übertrumpfenden Debütalbum im Kassettendeck: Das neue Album Mit K erscheint am 20.01.2012! Kraftklub machen jetzt auf Headliner. Auf einer Tour, die so viele Daten umfasst, dass wir selber aufgehört haben, nachzuzählen.
In den A&R-Abteilungen der großen Plattenfirmen, bei denen KRAFTKLUB nicht unter Vertrag sind, wird kollektiv in die Tischplatten gebissen. Das Gemunkel auf der Straße wird immer lauter. KRAFTKLUB seien das nächste große Ding, heißt es da. Diese Gerüchte stimmen und wir haben die Gründe dafür.
KRAFTKLUB kommen aus dem Osten. Aus Chemnitz, genauer gesagt. Oder wie Felix, Karl, Till, Steffen und Max noch immer sagen: aus Karl-Marx-Stadt. Sie sind Produkte der sich dahin schleppenden Vergangenheitsbewältigung, eher schlecht als recht vom Soli-Zuschlag aufgepäppelt und wegen mangelnder Zukunftsperspektive in die Rockstarkarriere getrieben. Dieses Loser-Image wissen sie Gewinn bringend einzusetzen. Es ist fast wie mit den armen Tieren im Zoo, man möchte ihnen permanent über die traurigen Köpfe streicheln.
Somit sind KRAFTKLUB das Sprachrohr einer ganzen Generation. Denn man muss sich nur mal umgucken. Nicht nur der Osten, nein, das ganze Land ist voll von Verlierern, die Sinnsuche, Mittellosigkeit und hedonistische Entgleisung in Lebensentwürfe übersetzen. Diese Band zeichnet Generationenportraits zwischen historischer Dekontextualisierung und Analfixierung, zwischen Über-Ironisierung und schonungslosem Realismus. Ihnen ist mit Zu jung die Energie sprühendste Hymne an Lethargie und Vergeblichkeit aller Zeiten gelungen, und sie sprechen damit sämtlichen Zuspätgeborenen und Zujunggebliebenen aus den müden Herzen. Alle Drogen wurden bereits genommen, alle Fernseher bereits aus den Hotelfenstern geschmissen. Die heutigen riesigen Flatscreens passen ja nicht mal mehr durch ein handelsübliches Fenster. Hat darüber schon mal jemand nachgedacht?
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