Heinrich von Kleist.In diesem Stück weiß eine junge Frau, was sie will und warum sie es will. Und das gegen die ganze Erwartung der Welt, vor allem der bürgerlichen Welt Heilbronns. Sie will den Grafen Wetter vom Strahl, sie will ihn, weil er ihr „vorgeführt“ wurde als ihr zukünftiger Mann. Nicht einfach so, sondern durch eine Vorhersage an Silvester beim Bleigießen, durch eine Bestätigung im Traum, in Begleitung eines Engels.
KÄTHCHEN. Ein Cherubim, mein hoher Herr, war bei dir, / Mit Flügeln, weiß wie Schnee, auf beiden Schultern, / Und Licht – o Herr! das funkelte! das glänzte! – / Der führt’, an seiner Hand, dich zu mir ein.
Danach sind alle Abweichungen und Verzögerungen nur noch Irritation der Dramaturgie Kleists, die dafür zu sorgen hat, dass die Spannung groß bleibt. Dafür eignet sich die mittelalterliche Welt mit Ritterkämpfen, Überfällen, brennenden Burgen und der Welt der Liebe und des Verrates. Alles geschieht durch Käthchen und ihren Gegensatz, Kunigunde von Thurneck. Der Graf reagiert zunächst nur. Das muss so sein, weil er glaubt zu handeln. Er glaubt sich zu entscheiden, zwischen Käthchen und Kunigunde, der verführerischen Schönheit.
Aber der Ritter weiß nicht wirklich, wie ihm geschieht. Ihm verständlich und damit zugänglich ist für eine Zeit Kunigunde, die die Männer versteht, sich für sie schön macht und damit sich ihnen unterordnet, etwas Konkretes von ihnen will, ihnen etwas vorspielt. Käthchen kann nicht spielen, aber sie versteht zu lieben.
Die Frage ist: Wie äußert sich die Liebe? Wie viel Gewohntes, wie viel Klischee braucht sie, um erkannt zu werden? Was macht Liebe aus?
Wie im Märchen werden im Stück die Richtigen ein Paar. Aus Käthchen, dem keuschen Engel, wird zuerst eine natürliche Kaisertochter und dann vielleicht die Mutter eines Geschlechtes. Dem Grafen erfüllen sich alle seine Wünsche. Begehren und Leben werden eins:
DER GRAF VOM STRAHL (steht auf, und nimmt Käthchens Hand). Nun denn, zum Sel’gen hast du mich gemacht! – / Lasst einen Kuss mich, Vater, einen Kuss nur / Auf ihre himmelsüßen Lippen drücken. / Hätt ich zehn Leben, nach der Hochzeitsnacht, / Opfr’ ich sie jauchzend jedem von euch hin!
Regie Dieter Dorn. Cornelia Froboess, Gabi Geist, Sunnyi Melles, Jennifer Minetti, Franziska Rieck.
Am Freitag, 25.02.2011 zeigen wir im Residenz Theater eine Zusatzvorstellung
Karten 14 bis 44 Euro
Beginn 17.00 Uhr
Lisa Wagner spielt ab 5. Mai die Kunigunde im KÄTHCHEN VON HEILBRONN
Die Spielzeit 2010/2011 im Bayerischen Staatsschauspiel endet dieses Jahr am 9.Juli. Im Residenz Theater sind wichtige bühnentechnische Baumaßnahmen erforderlich, diese waren ursprünglich bereits ab Mitte Juni geplant. Seit kurzem wissen wir, dass wir nun doch bis zum 9. Juli spielen können. Leider lassen sich aber so die Termine von Sunnyi Melles und die des Theaters nicht mehr sinnvoll in Einklang bringen. Lisa Wagner spielt bereits ab 5. Mai die Kunigunde.
Kunigunde und Penthesilea, die gesellschaftlich Liebende und die Liebende gegen die Gesellschaft: Damit beziehen sich „unsere Kleists“ noch deutlicher und enger aufeinander.
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