6 Positionen zeitgenössischer Fotografie: Joss Bachhofer, Verena Frensch, Klaus von Gaffron, Bettina Gorn, Christof Rehm, Yukura Shimizu. Die Firma „Fotoalben Discount“, Spezialist für Alben, Rahmen und Gästebücher, behauptet in ihrem Internetauftritt, Fotoboxen seien eine saubere und schnelle Möglichkeit der Fotoarchivierung. Sauber und schnell ist immer gut.
Andererseits, geht man von der Box aus, kommt man drauf,
alles ist Box. Die Box, das moderne Gefäß, der Behälter,
Kasten, Kanister, Schrank, Tonne, Garage, Haus, Halle –
alles ist Box. Living in a Box. Weiter geht‘s in der Sargbox.
Die whiteBOX jedenfalls erinnerte Klaus von Gaffron an eine
überdimensionale Aufbewahrungsschachtel für Fotos, eine
Fotobox für riesige Fotos, Riesenportraits eines Riesenateliers,nicht unweit vielleicht.
Die Welt und die Box, das ist in der Tat ein Riesengefummel.
Und die Höhle ist die erste Lochkamera. An der Rückwand
entstanden die ersten Entwürfe von Wirklichkeit. Aus Dunkelkammern strahlt das Licht der Welt, wie aus den Edelsteinen, die in den Augenhöhlen der griechischen Köpfe, der griechischen Statuen aus Stein und Marmor gesessen hatten. Bilderp werden in Hohlkörpern gefertigt, Abbild und Trugbild, wiep im Begriff vom Simulacrum. Beides wird wieder in die Weltp zurückgestrahlt, das ist der menschliche Blick auf die Dinge.
Hohlkörper selbst war schon der keramische Adam, das
Hauchobjekt Gottes. Adam, das Hauchbild Mensch. Bei den
Boxen sind immer zwei im Spiel. In den Boxen. Continuum
und Contentum, der Inhalt und das Enthaltende – am Boxenstop
der großen Raumboliden Ewigkeit und Unendlichkeit.
Schachterldeifi. Beam uns runter, Scotty.
Zurück aus den Weiten des Alls in die whiteBOX. Dort werden
also am 25. Februar 2010 sechs Fotografen zeitgenössische
Positionen beziehen. Joss Bachhofer, Verena Frensch, Klaus von Gaffron, Bettina Gorn, Christoph Rehm und Yukara Shimizu, das ist die Aufstellung.
Zum klinischen Rigor des „sauber und schnell“ sei gesagt,
derlei Kategorien waren nicht Gegenstand der Arbeiten, auch
nicht verwandte Notationen wie sozial, dokumentarisch,
politisch oder Anderes ideologischer Provenienz. Nein, es geht mehr um Hohlraumselbständigkeiten, Vorrangiges. Autopoiesis. Selbstzeugung im Fotokessel. Aus Erfahrung weiß man, ahnt man, dass in der Versuchsanordnung Höhle-Wirklichkeit-Box von selbst jede Menge von Prozessen ablaufen, die nicht eines idealistischen Impulses bedürfen. Schärfe-Unschärfe, Innen-Außen, Verschmelzungen, Verschwinden, Auftauchen, Täuschungen, Illusionen.
Dr. Patrizia Drück schreibt über die Teilnehmer:
Joss Bachhofer bezeichnet seine Arbeiten als „hybride Fotografie“. Er verwendet eine Mischtechnik, die die Wechsel-beziehungen von Fotografie und Malerei eruiert. Die konkrete Bedeutung des Einzelbildes, oft Vorlagen aus dem Internet, tritt in den Hintergrund und regt neue Interpretationsräume an.
Zwischen der künstlerischen Suche nach der idealen Landschaftoder der Thematisierung des verlorenen Paradieses
bewegen sich die Arbeiten von Verena Frensch. Ihre meist
digital nachbearbeiteten Bildräume sind metaphysischer Art.
Überirdische Wolkenformationen mit dramatischer Lichtregie,
üppige paradiesische Landschaften oder trostlose Industriebrachen stehen als surreale Szenerien gleichnishaft
als Sinnbilder für einen neuen Weltentwurf.
Klaus von Gaffron fotografiert analog und digital, bearbeitet seine Fotobilder jedoch nicht mehr nach. Seine „Fotobilder“ zeichnen sich durch ein Wechselspiel von Licht und Farbe aus und abstrahieren gleichsam als fotografische Malerei das fotografierte Objekt. Die Bilder verschwimmen in der Unschärfe des Momentes und erzählen gleichzeitig von
Erscheinungen, welche vertraut und doch fremd wirken.
In den Fotoarbeiten von Bettina Gorn rückt der menschliche
Körper ins Blickfeld und wird in seiner Verletzlichkeit und
Bewegtheit momenthaft festgehalten. Die äußere Hülle
des Materiellen scheint aufgelöst, schafft neuen Raum für
die Energie des Wesenhaften.
Christof Rehm fotografiert mit dem Handy aus einem fahrenden
Zug. Es sind Landschaftsaufnahmen, die Ausschnitte
von Waldlichtungen in der Dämmerung, romantisch und
geheimnisvoll durch Nebel und Unschärfen verklären.
Digital nachbearbeitet entstehen letztlich autonome
Bildwirklichkeiten, die vergrößert und auf Alu-Dipond
aufgezogen eine ganz eigene ästhetische und fast poetische
Bildwirkung entfalten.
Yukara Shimizu konzentriert sich ebenfalls hauptsächlich
auf vorgefundene Naturausschnitte. Die menschenleeren
Szenerien im nächtlichen Wald werden von bläulichem Licht
nur minimal beleuchtet. Durch die magische Dunkelheit
verwandelt die Künstlerin das Alltägliche und Vertraute in
ein unbekanntes Mysterium. Die Unschärfe und das
Dämmerlicht verinnerlichen das augenblickliche, romantische
Naturerleben.
Klaus von Gaffron, der u. a. für seine Lebensleistung, die
Eigenständigkeit der Fotografie neben den etablierten
Sparten nachhaltig gefördert zu haben, 2006 das Bundesverdienstkreuz erhielt, hat sich auch hier in München, neben seiner Tätigkeit als Vorsitzender des Berufsverbandes Bildender Künstler (BBK), für die Unabhängigkeit der Fotografie als Kunstform eingesetzt.
1984 fand in der Lothringer Halle eine erste Fotoausstellung statt, in deren Folge auch Fotografen in
den BBK aufgenommen werden konnten.
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