Er ist eine Art Nationalheiligtum. Den Roman 'Wiedersehen mit Brideshead' der englischen Schriftstellerin Evelyn Waugh kennt in Großbritannien jedes Schulkind. 1945 erschienen, löste die in den Zwanzigern und Dreißigern angesiedelte Geschichte einer langsam zerbrechenden Adelsfamilie, einer verbotenen Liebe und den fließenden Grenzen zwischen Schuld und Unschuld sowohl Begeisterung als auch Empörung aus. Eine mehrteilige TV-Verfilmung von 1981 sorgte für weiteste Verbreitung und höchstes Kritikerlob. Die aktuelle Kinoadaption des umfangreichen Stoffes kann leider weit weniger Gefühle wecken, positive wie negative. Sie berührt kaum.
Regisseur Julien Jarrold, der im vergangenen Jahr mit dem erfolgreichen 'Geliebte Jane' bewies, wie gut er sich für die Inszenierung historischer Stoffe eignet, gelingt es nicht, dem Zuschauer die Figuren ans Herz rücken zu lassen. Die Selbstzweifel des armen Studenten Charles (Matthew Goode), der in Oxford den exaltierten Adeligen Sebastian Flyte (Ben Wishaw) und dessen bildhübsche Schwester Julia (Hayley Atwell) kennen lernt, lassen kalt. Auch der von der Mutter Lady Marchmain (Emma Thompson) mit eherner Wucht ausgeübte Katholizismus bleibt im Gegensatz zum Roman pittoreskes Dekorum. Der Konflikt wird nur behauptet, aber nicht erfahrbar gemacht.
Jarrolds Spielfilm reduziert das eine Dekade messerscharf sezierende Buch zu einer optisch bezaubernden aber unerklärlich zerdehnten, schwül-schwulen Love Story. Thompson und Wishaw als verbohrt-bigotte Ahnherrin und ihr lebensgieriger Sohn bestechen inmitten der gepflegten Langeweile durch ihr feinsinnig-durchdachtes Spiel. Sie verleihen Jarrolds an der opulenten Oberfläche klebenden Spielfilm damit eine überraschende Aktualität.
Kinostart: 20. November 2008
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Schade, dass die Verfilmung von Julien Jarrold nicht wirklich gut gelungen ist!
Die Umsetztung ist mäßig, aber auch der sehr biedere Stoff ist nichts für mich!