Gemälde und Fotografien berühmter Liebender verdeutlichen im Vorspann noch dem unaufmerksamsten Zuschauer, worum es geht: Um die Liebe. Die große, einzige, nie verblassende, versteht sich. Dass es sich bei dem ersten Gemälde allerdings um 'Amor und Psyche' handelt und nicht um Romeo und Julia, die anschließend als Platzhalter der niemals verglühenden Leidenschaft dienen müssen, zeigt nur, mit welch grober Feder Regisseur Gary Winick seine 'Briefe an Julia' geschrieben hat.
Die amerikanische Touristin Sophie (Amanda Seyfried) reist mit ihrem Verlobten, einem Restaurantbesitzer, nach Italien. In Verona bleibt er in den Vinotheken hängen, während sie die Legende des ewigen Paares für sich entdeckt. Unter dem touristisch hinlänglich erschlossenen Balkon der Julia findet sie einen vor 50 Jahren dort versteckten Liebesbrief und antwortet darauf. Dieser Antwortbrief löst bei einer alten Lady (Vanessa Redgrave) in England einen solchen Gefühlssturm aus, dass sie sich in Begleitung ihres attraktiven Enkels auf den Weg nach Verona begibt, wo sie einst ihren persönlichen 'Sommer der Liebe' erlebte.
Winick mutet seinem Publikum viel zu: Die Szenen sind grundsätzlich gülden erstrahlend, die Menschen begegnen einander adrett frisiert, in ordentlich gebügelten Leinenklamotten. Kein Hauch von Wirklichkeit, nirgends. Die Musik schmalzt jeden anrührenden Moment zu, bis nichts mehr übrig bleibt als kitschiger Klangkleister. Wären nicht die wunderbare Vanessa Redgrave und der großartig beiläufig agierende Franco Nero als ihr Liebhaber von einst zu sehen, 'Briefe an Julia' wäre nur mit Schwarzbrot und Schnaps zu ertragen.