Der Mann weiß, worum es geht. Wayne Kramer, Regisseur des Einwandererdramas 'Crossing Over', ist einst selbst aus Südafrika in die USA eingereist. Mit einem starken Ensemble, bestehend aus Schauspielgrößen wie Harrison Ford, Ray Liotta und Ashley Judd, hat er jetzt einen Film über die Immigration ins Land der gar nicht unbegrenzten Möglichkeiten gedreht.
Von der Struktur her lässt sich Kramers mitunter arg plakative Abrechnung mit den Vereinigten Staaten gut mit Steven Soderberghs 'Traffic' vergleichen. Ging es dort um den illegalen Drogenhandel aus der Sicht von Polizisten, Händlern und Konsumenten, dreht sich hier alles um die illegale Immigration, aus der Perspektive der Behörden, der Ordnungshüter und jener, die aus den unterschiedlichsten Motiven einwandern wollen.
Im Zentrum steht Harrison Ford als Beamter der Einwanderungsbehörde. Bei seinen Kollegen gilt er als zu nachsichtig, da er hinter jedem Fall das menschliche Drama sieht und oft dementsprechend handelt. Das kann man seinem Kollegen Cole Frankel (Ray Liotta) nicht vorwerfen. Selbst mit einer Bürgerrechtsanwältin verheiratet, erpresst er sich Schäferstündchen mit einer jungen australischen Schönheit. Dann gibt es noch die muslimische Familie in Schwierigkeiten, den kriminellen taiwanesischen Jugendlichen sowie den iranischen Polizisten, dessen konservative Familie sich vehement gegen die Sitten der USA stemmt.
Kramer beleuchtet sein Thema von verschiedenen Seiten, doch trotz der exzellenten Kameraarbeit von James Whitaker und der guten Darsteller bleibt der Gesamteindruck seltsam flach. Das Drehbuch ist zu schlicht gestrickt, um wirkliches Interesse an den ineinander verschränkten Episoden über 90 Minuten hinweg wach zu halten. Womöglich war Kramers persönliche Betroffenheit der Grund für das gelegentlich überbordene Pathos und die mangelnde Distanz.