Ein kleiner Junge ist tot. Von der Terrasse gestürzt. Daniel, in Tanger urlaubender Germanistik-Doktorand, glaubt nicht an einen Unfall. Er vermutet, dass sein Freund und Gastgeber damit zu tun hat, und reist einfach ab. Zurück in Deutschland, in der düsteren, von seiner Großmutter ererbten Altbauwohnung, sieht Daniel (großartig gespielt von Nikolai Kinski) in der Erinnerung immer klarer. Als er bei einem Fest der Hausgemeinschaft bemerkt, wie ein Nachbar den Sohn einer anderen Nachbarin ständig befingert, steigert der labile Daniel sich allmählich in die Idee des Kindesmissbrauchs hinein. Diesmal will er wachsamer sein und den kleinen Jungen beschützen...
Der Münchner HFF-Absolvent Michael Dreher, der sich mit seinem vielfach preisgekrönten, ins Gedächtnis brennenden Kurzfilm 'Fair Trade' bereits einen Namen gemacht hat, legt mit 'Die zwei Leben des Daniel Shore' jetzt seinen ersten Kinofilm vor. Wie schon in 'Fair Trade' setzt Dreher auch hier wieder auf die hypnotische Kraft wuchtiger Bilder und auf klassischen Suspense in bester Hitchcock-Tradition. Die stark kontrastierenden Einstellungen aus dem besonnten Marokko und dem düsteren, in Eis erstarrten Deutschland erzeugen in ihrer steten Wiederholung eine enorme Spannung, diesich unmittelbar auf den Zuschauer überträgt. Dreher ist ein Kinomagier, wie man sich ihn für den deutschen Film der Zukunft nur wünschen kann.