Auf den Tag genau 23 Jahre ist es her. Auch damals brannte die Sonne unerbittlich vom Himmel. Auch damals lag das Fahrrad des Kindes auf dem Feldweg. Auch damals fand die Polizei keine Spur des Mädchenmörders. Damals hieß die 12-Jährige Pia. Diesmal heißt sie Sinikka. Der soeben pensionierte Kommissar Mittich (Burghart Klaußner) konnte den Tod von Pia nicht aufklären. Mit Hilfe seines frisch verwitweten jungen Kollegen Jahn (Sebastian Blomberg) will er Sinikkas Mörder unbedingt schnappen. Doch die Meldung des Mordfalls in den Nachrichten stürzt nicht nur die Eltern von Sinikka in tiefe Verzweiflung, sondern verstört auch andere Menschen: Etwa Elena Lange (Katrin Sass), Pias Mutter, die nun die Tragödie ihres Lebens noch einmal durchleben muss, und einen erfolgreichen Architekten (Wotan Wilke Möhring), den auf den ersten Blick nichts mit den Taten zu verbinden scheint...
Baran bo Odar, Absolvent der Münchner HFF, hat seine Adaption eines Romans von Jan Costin Wagner sehr frei angelegt - und formte den klassischen Krimi zu einem sehr kinogerechten, vielschichtigen Melodram um. Geschickt hat der Regisseur die Handlung aus dem düsteren Skandinavien in die sommerliche deutsche Provinz verlagert, und mit wenigen Tricks von Kamera und Ton gelingt es ihm, vertraute Bilder umzuwerten und beispielsweise aus einem sonnenbeschienenen Kornfeld etwas Böses, Unheimliches werden zu lassen.
Die Charaktere sind geschickt konstruiert und nach wenigen Szenen bereits markant umrissen. Großartig besetzt sind sie mit Ulrich Thomsen, Klaußner, Sass, Möhring oder Blomberg ohnehin. Zum Glück, denn bei Baran bo Odar hat jeder von ihnen ein schweres Päckchen zu tragen. Ein packendes, mutiges, kraftvolles, rundherum beeindruckendes Regiedebüt.