Dem Himmel so fern
Die Goldenen Fünfziger?
Eine winzige Veränderung des Tagesablaufs kann das ganze Leben in Frage
stellen. Das muß die
Vorzeige-Ehefrau Cathy Whitaker (Julianne Moore) erkennen, als sie ihrem
Angetrauten Frank (Dennis
Quaid) eines Abends das Essen ins Büro bringt, um ihm die Überstunden zu
versüßen - und ihn in den Armen
eines anderen Mannes erwischt. Keine schöne Erfahrung, aber Regisseur Todd
Haynes ("Velvet Goldmine")
hat die Handlung seines Films in den Fünfziger Jahren in einer Kleinstadt in
Connecticut angesiedelt, und da
wiegt Cathys Erlebnis umso schwerer.
Homosexualität ist in dieser Zeit gleichbedeutend mit Perversion, und immer
wieder reißt einer von Franks
Arbeitskollegen Witze darüber, und in der Nachbarschaft wird ohnehin ständig
über alles getratscht. Cathy
und Frank beschließen also, nach außen hin den Schein ihrer glücklichen Ehe
aufrecht zu erhalten und Franks
heimliche Leidenschaften als "vorübergehende Krankheit" zu behandeln, die
sich schon irgendwann von
selbst ausheilen wird. Aber das funktioniert natürlich nicht lange: Er
spricht fortan dem Alkohol über Gebühr
zu, und sie begeistert sich immer unverhohlener für den neu eingestellten
Gärtner - einen Farbigen - und
streift damit gleich das nächste Tabu des amerikanischen Alltags im Jahre
1957.
Haynes hat einen Film der perfekten Künstlichkeit geschaffen: rosarote
Interieurs aus den Fünfzigern, die
Hausfrau und alle Freundinnen tragen ihre Garderobe stets Ton in Ton, das
ganze Leben scheint harmonisiert
bis auf die kupferfarbene Handtasche zum leuchtend roten Herbstlaub. Die
Menschen sind überbordend
freundlich - auf den ersten Blick. Auf den zweiten verbirgt sich hinter
dieser veritablen Vorstadtidylle das
zurechtgezurrte Bild einer vollkommen verkrampften und verlogenen
Gesellschaft, in der das
Kaffeekränzchen mit den angeblich besten Freundinnen zum Tanz auf einem
Vulkan gerät, und sich alle
Menschen hinter der Maske des steifgefrorenen Lächelns innigst nur das
Schlechteste wünschen.
Haynes "Dem Himmel so fern" lehnt sich thematisch als brillantes Remake an
Douglas Sirks Melodramen der
Fünfziger Jahre an, und dem Regisseur gelingt hier quasi ein
Doris-Day-und-Rock-Hudson-Film mit
umgekehrten Vorzeichen: Haynes imitiert dieses Genre bis zu den
chromblitzenden Chevrolets mit
Weißwandreifen - und zeigt doch genau die Brüche, die damals kunstvoll
verschleiert wurden. Das
Unbewußte und Unpassende, das im Doris-Day-Film nie existierten durfte, wird
hier eben nicht
herausgeschnitten, sondern in all seiner quälenden Wahrheit gezeigt. Haynes
zeigt den American Way of Life,
wie man ihn noch nie gesehen hat, und auch nie sehen sollte. Und gerade dies
lässt den scheinbar so
dahinplätschernden "Dem Himmel so fern" zu einem unerhört intelligenten,
faszinierenden und anrührenden
Drama werden.
infos über den film im internet: [ concorde-film.de ]
kinostart: 13. märz 2003
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Melodram
länge: 107 min
Original: Far from Heaven
Darsteller:
Julianne Moore, Dennis Quaid, Dennis Haysbert,
Regie:
Todd Haynes,
Drehuch:
Todd Haynes,
Drehjahr: 2002 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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Ein unglaublich intelligenter, aufregender Film! |
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Die Thematik ist gut getroffen, doch find ich die 50er-Jahre Szenerie eher anstrengend!
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