Der Felsen
Urlaubsgrüße
Das grelle Sonnenlicht lässt die Bilder flirren: Bunte Handtücher liegen auf
dem dunklen Sand eines
Badestrandes auf Korsika, daneben breitet ein fliegender Händler seine
Habseligkeiten aus. Der
Straßenverkäufer beginnt, zu erzählen, und gibt damit vor, was Regisseur
Dominik Graf mit seinem
sperrigen Spielfilm "Der Felsen" versucht hat: ein Märchen zu erzählen von
einer, die auszieht und
dabei sich selbst findet.
Graf macht es dem Zuschauer nicht leicht, seinem Rhythmus zu folgen, da er
die archetypischen
Elemente des Märchens verbindet mit einer zerrissenen, versetzten und
vorwiegend situativen
Erzählweise und auf DV-Material gedrehten Bildern, die die märchenhafte
Stimmung durch harte
Schnitte immer wieder zerstören. Über weite Strecken erscheint "Der Felsen"
daher weniger als ein
Kinofilm, sondern mehr wie ein verwaschenes Urlaubsvideo aus vergangenen
Jahren. Ein Bild aus
glücklicheren Zeiten dass und wie viel Sinn dieses Verfahren macht,
erweist sich im Verlauf der
Geschichte:
Kathrin (Karoline Eichhorn) ist mit ihrem verheirateten Geliebten und Chef
(Ralph Herforth) auf der
Mittelmeerinsel, um letzte gemeinsame Tage zu genießen, bevor er zu seiner
schwangeren Frau
zurückkehren wird. Es funktioniert nicht mehr zwischen den beiden, er reist
ab, während sie noch
ein paar Tage auf Korsika bleiben wird. Ihre Odyssee ins Ungewisse beginnt,
ihr Leben gerät aus
dem bislang festgesteckten Kurs, als sie an ihrem ersten Abend allein gleich
besoffen im Bett
zweier Polizisten und anschließend in den Armen des jugendlichen Straftäters
Malte (Antonio
Wannek) landet, der aus einem Resozialisierungscamp auf der Insel abgehauen
ist. Malte verliebt
sich in die äußerlich so ruhig und beherrscht wirkenden Kathrin, deren
Innenleben sich jedoch
gerade aufzulösen scheint.
Graf passt sich mit seinen Bildern den inneren Befindlichkeiten seiner
Protagonisten an: Hektisch,
wirr und (scheinbar) unkontrolliert irrt die Kamera durch die Szenerie,
bleibt mal an Kathrins Augen,
mal an Maltes Händen hängen. So verleiht der bewußt fragmentarische
Charakter dem Film in
manchen Sequenzen eine wie durch ein Brennglas geschaffene künstliche Nähe,
in anderen
Momenten wiederum eine irritierende Nähe. Doch diese experimentelle
Künstlichkeit und
vorgebliche Authentizität, die verschiedenen Erzählerstimmen aus dem Off und
die quasi am Körper
der Figuren klebende Kamera schaffen vor allem eines: eine enorme Distanz
des Zuschauers zur
Geschichte, zur Hauptfigur Kathrin und all ihren existentialistischen Krisen
und war nicht gerade
das Gegenteil das Ziel des Projektes? Eine Entdeckungsreise ins eigene
Innenleben sollte "Der
Felsen" beim Betrachter evozieren. Das Ergebnis ist ein rundum spannender
Versuch geworden.
Aber eben nur ein Versuch mit viel Bedeutung und manchmal zu wenig
Glaubwürdigkeit. Denn
wenn man für die Ausleuchtung des eigenen Ego wie betäubt blickenden
Darstellern in
düster-grobkörnigen Bildern im funzligen Scheine einer Taschenlampe beim
Pinkeln zusehen muss,
erscheinen einem süßlich-verkitschte Märchenfilme auf einmal schön wie nie.
infos über den film im internet: [ concorde-filmverleih.de ]
kinostart: 25. juli 2002
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama
länge: 116 min
Original: Der Felsen
Darsteller:
Karoline Eichhorn, Peter Lohmeyer, Antonio Wannek,
Regie:
Dominik Graf,
Drehuch:
Drehjahr: 2001 FSK: 16
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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<ug>
ein interessanter versuch mit viel spannung, aber auch mit schwächen!
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mir war das ganze viel zu experimentell!
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