Tango gilt sogar in hiesigen Breitengraden als Synonym für Liebe und Leidenschaft. Der gebürtige Argentinier und seit 1991 in Deutschland lebende German Kral ist in den vergangenen Jahren oft in seine alte Heimat gereist, um dort für seinen Dokumentarfilm 'Der letzte Applaus' zu recherchieren. Im Mittelpunkt seines Films, der ähnlich wie Wim Wenders' 'Buena Vista Social Club' nicht nur den Tanz und die Musik, sondern auch die Menschen, deren Lieben und Leiden abbildet, steht die Tangobar 'El Chino' am Stadtrand von Buenos Aires. Das Lokal von legendärem Ruf, in dem die Altstars des Tango auftraten, wurde später geschlossen.
Krals Langzeitbeobachtung lässt die guten alten Zeiten nochmals auferstehen und verfolgt die Lebenswege der damaligen Stars bis in die Gegenwart. Einfühlsam arbeitet sich Kral mit seiner Kamera durch die zerklüfteten Biografien, sensibel beobachtet er einen unaufhaltsamen Zerfallsprozess. Nicht nur den des 'El Chino', sondern auch den des von der Wirtschaftskrise zerrütteten Landes. Sein genauer Blick spart auch Intimes nicht aus, lässt seinen Hauptdarstellern und ihren skurrilen Lebensumständen aber stets ihre Würde.