'Eine optische Täuschung' vermutet der Maler David, als ihn seine Frau auf die eigentümlich dichte Nebelwand aufmerksam macht, die über dem nahen See aufzieht. Der Nebel scheint sich sehr schnell und gegen die Windrichtung zu bewegen. David fährt mit seinem neunjährigen Sohn Billy in den nächsten Supermarkt, und man ahnt schon, dass sich Mutti und Filius gemäß der Genrekonventionen nicht mehr sehen werden. Noch bevor David seine Einkäufe zur Kasse gebracht hat, stürmt ein Blut überströmter Mann in den Laden, der draußen im Nebel von einem Monster angegriffen wurde.
Mit dem John Carpenter-Horrorfilm 'The Fog - Nebel des Grauens' aus den Siebzigern hat Frank Darabonts Film nur den Namen gemein. Ansonsten liegen Welten zwischen Carpenters vorhersehbarer Geistergeschichte und Darabonts subtilem Schocker. Stephen King lieferte mit einer Kurzgeschichte die literarische Vorlage, und das allein bürgt in der Sparte Psychothriller für anspruchsvolle, intelligente Unterhaltung. In 'Der Nebel' geht es nicht um Untote, die aus dem Meer an Land kommen, sondern um Verfolgungswahn, Fanatismus und Hysterie. Darabont bietet ein clever manipulatives Drehbuch, ein paar großartige darstellerische Leistungen wie etwa die von Marcia Gay Harden als religiös Erweckte, viel Suspense und effektvoll gesetzte Gruselmomente. Wirklich unauslöschlich aber prägen sich die letzten zehn Minuten des Films ein. In denen stellt Darabont auf geniale Weise alles auf den Kopf, was man in einem Horrorfilm eigentlich tun darf.