Wuchtbrumme nannte man solche Frauen früher. Damals, als das Dicksein noch kein ausschließlicher Makel war, als es noch keine klar erkennbare, reziproke Relation zwischen Einkommen und Körpergewicht gab. Damals gab es solche Frauen wie Kathi König auch schon. Solche, mit denen es das Leben nicht gut meint, und die trotzdem nicht untergehen. Solche, die vom Gatten auf die Straße geschoben werden, damit im schmucken Häuschen Platz ist für die schwangere Geliebte. Solche, die auf einmal wieder von vorne anfangen müssen. Mit einer pubertierenden Tochter, im tristen Plattenbau in Berlin-Marzahn.
Doris Dörrie hat das Schicksal der Kathi König zwar zwischen Einkaufszentrum und Zweiraumwohnung angesiedelt. Trotzdem ist ihr Spielfilm 'Die Friseuse' nicht so trist und grau und grauslich, wie man es angesichts des wenig erfreulichen Lebens der Frau König annehmen könnte.
Dörries 'Friseuse' ist eine wunderbar beschwingte, knallbunte Feier des gar nicht banalen Alltags, eine Hymne an das Leben. Mit all seinen Facetten. Die Münchnerin Dörrie, die hier erstmals kein eigenes Drehbuch verfilmte, sondern sich auf die munteren Dialoge und den schlagfertigen Witz Laila Stielers stützt, hat anscheinend viele Filme von Andreas Dresen gesehen während der Vorbereitungszeit. Die unprätentiöse, einfühlsame Genauigkeit ihrer Beobachtungen, die Herzenswärme für die Figuren – all das zeichnete Dörrie wie Dresen schon früher aus. Doch das Exaltierte Dörries fehlt diesmal.
Man muss sich diese liebenswürdige Emanzipationsgeschichte unbedingt ansehen. Weil der Soundtrack einfach großartig ist. Und wegen Gabriela Maria Schmeide natürlich, die als Kathi vielleicht die Rolle ihres Lebens spielt. Da sitzt jeder Blick, jede Geste, jeder Unterton und jedes der extra angefressenen Kilos, und man würde gerne noch weitere 90 Minuten erfahren, wie es mit der Wuchtbrumme Kathi weiter geht.