Die Reise des jungen Che
Die Tagebücher des Ernesto Che Guevara
Das Bild kennt jeder. Von Postern, T-Shirts oder Aufklebern. Eindringlicher Blick in die Ferne, ein Barett auf die wilden Locken gedrückt. Che Guevara ist heute mehr als ein Politiker und Revolutionär. Eine mythenhafte Verehrung schwingt mit, wenn der Name des Argentiniers fällt. Über die Jugendjahre des Ernesto „Che“ Guevara ist dennoch wenig bekannt. Hier setzt der sehr lyrisch anmutende Spielfilm „Die Reise des jungen Che“ des Brasilianers Walter Salles ein: Der 23-jährige Ernesto (Gabriel Garcia Bernal), Medizinstudent aus gutem Hause, macht sich 1952 mit seinem besten Freund Alberto Granado (Rodrigo de la Serna) auf eine viele Monate währende Reise quer durch Lateinamerika. Während dieser Tour reift der junge Mann angesichts der krassen sozialen Gegensätze allüberall vom Naivling zum späteren kubanischen Revolutionär. Dies ist knapp gesagt der Inhalt von „Die Reise des jungen Che“, die Salles in wunderschöne, elegische Aufnahmen einfängt. Die unbedarften Studenten machen sich mit einem schrottreifen Motorrad auf den Weg. Die Klapperkiste gibt bald den Geist auf, und die beiden suchen sich neue Transportmittel. Zu Fuß, per Amazonas-Dampfer und auf den Ladeflächen alter Lieferwagen schaukeln sie durch die Lande. Mal erschnorren sie sich als angebliche Ärzte ein Quartier oder ein warmes Essen, mal becircen sie mit ihren Abenteuergeschichten die schönsten Senoritas. Und allmählich werden aus den ahnungslosen Jüngelchen erwachsene Männer.
Kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht die Sicht auf ihren Heimatkontinent verändern müssen. Von der Armut und der allgegenwärtigen Verzweiflung haben die zwei bisher in ihrem Leben nichts mitbekommen. Jetzt begegnen sie Kleinstbauern im harten Existenzkampf, despotischen Großgrundbesitzern, heimatlos gewordenen Indios und werden konfrontiert mit einer ungerechten, harten und an der Lebenssituation der Menschen vorbei predigenden Kirche. Alberto wird daraufhin zum pragmatischen Realisten, der anpackt, wo Hilfe benötigt wird. Ernesto hingegen hat einen ganz anderen Traum, um die Welt zu verbessern...
„Die Reise des jungen Che“ basiert auf Guevaras Tagebüchern, den „Diarios de motocicleta“ und den weitaus weniger romantisch-verklärenden Aufzeichnungen und Erinnerungen seines Freundes Alberto. Recht akribisch beschreiben beide die Abenteuer, die sie während ihrer Reise erleben – aber auch ihre Wandlung zu politischen Wesen. Aus den Vorlagen hätte ein aufwühlender Politfilm, eine beklemmende Sozialstudie werden können. Leider verschenkt Salles, der in seinem wunderbaren „Central Station“ 1998 noch ein sicheres Händchen für die locker-leichte Kombination von Politik und Poesie bewies, vieles. Zwar gelingen ihm oft Szenen von großer Eindringlichkeit, etwa wenn Ernesto an seinem 24. Geburtstag in die Lepra-Station schwimmt. Aber die Prägnanz, die „Central Station“ noch in jeder Sequenz auszeichnete, ist Salles hier, vermutlich angesichts des großen Themas und der zahlreichen Schauplätze, verloren gegangen. Die Metaphern sind sehr einfach, die immer deutlicher hervortretende Verschiedenartigkeit der beiden Freunde arg vorhersehbar, und viele Szenen hätten dringend der straffenden Hand des Regisseurs oder wenigstens des Cutters bedurft. So ist „Die Reise des jungen Che“ insgesamt zwar ein dicht erzählter und gelegentlich sehr witziger Spielfilm über zwei übermütige junge Männer im Lateinamerika der Fünfziger Jahre geworden. Für eine angemessene Biografie des legendären Che fehlt es allerdings an vielen Ecken und Enden an politischem Impetus.
infos über den film im internet: [ che.film.de ]
kinostart: 28. oktober 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Biografie, Drama
länge: 126 min
Original: The Motorcycle Diaries
Darsteller:
Gael Garcia Bernal, Rodrigo de la Serna, Mía Maestro,
Regie:
Walter Salles,
Drehuch:
Jose Rivera,
Drehjahr: 2004 FSK: 6
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Schade, dass hier nur eine Abenteuerreise erzählt wird und es ein wenig an Nachdruck fehlt! Sonst aber ein guter Film!
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Ich find's gut das der Pathos weggelassen wurde, denn schließlich war Che damals nur ein junger Abenteurer auf dem Motorrad!
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