Die Pubertät ist das Alter, in der sich die Dinge überschlagen. Vor allem die Hormone. Als Orientierungshilfe in dieser Phase dienen Werbung, Castingshows, TV-Seifenopern vorwiegend amerikanischer Provenienz und für jene, die es niveauvoller mögen, Kinofilme. Was früheren Generationen 'La Boum' oder 'Pretty in Pink', ist heute 'Wilde Kerle', 'Wilde Hühner', 'Sommer' oder jetzt 'Freche Mädchen'.
Der Plot wurde trotzdem seit Dezennien kaum variiert: Süßes Mädel verliebt sich in Typen, der nicht gut für sie ist und es vergehen manche Tage und es fließen viele Tränen, bis der Traumprinz als solcher erkannt wird. 'Freche Mädchen' bildet da keine Ausnahme. Überraschend ist eher, dass es Regisseurin Ute Wieland gelingt, den Film so flüssig und temporeich zu erzählen.
Eine der Stärken des Films ist der Kunstgriff, die Gedanken der Heldin Mila nicht durch die üblichen Off-Kommentare zu erklären, sondern durch eingestreute Tagträume. Die lockere, episodenhafte Struktur ermöglicht mehrere parallele Handlungsstränge mit zahlreichen Darstellern, die unterschiedliche Facetten des schwierigen Erwachsenwerdens beleuchten.
Die niedliche Emilia Schüle in ihrer ersten Hauptrolle ist treffend besetzt und trifft den richtigen Ton zwischen flapsig, kess und unsicher. Auch Jonathan Beck als ihr Gegenpart erweist sich als verheißungsvolles Talent. Die Namen von Selina Shirin Müller und Henriette Nagel sollte man sich ebenfalls merken. Während über die eindimensionalen Rollen der Erwachsenen, interpretiert von Armin Rohde, Anke Engelke oder Piet Klocke schnell das Mäntelchen des gnädigen Vergessens gebreitet werden sollte.