Fremder Freund
WIR WAREN FREUNDE. WAREN WIR DAS?
Was zeichnet einen guten Freund aus? Was ist es, das diesen Menschen so viel höherwertiger erscheinen lässt im Vergleich
zur Restbevölkerung des Erdballs? Warum gewinnt jener unser Herz und unser ungeteiltes Vertrauen, obwohl sich andere
weitaus stärker bemühen, und obwohl man weiß, dass sich bis zum Ende aller Tage seine Macken nicht abschleifen und seine
Kochkünste nicht verbessern werden? Elmar Fischer geht in seinem kleinen, sehr unprätentiös im Dogma-Stil inszenierten
Spielfilm "Fremder Freund" diesen Fragen nach.
Der 23jährige Chris (Antonio Wannek) lernt in einem türkischen Supermarkt den etwa gleichaltrigen Yunes
(Navid Akhavan) kennen. Yunes, Student der Verfahrenstechnik, stammt aus dem Jemen und sucht eine Bude, in der WG
von Chris ist gerade ein Zimmer frei geworden. Dies ist der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Man säuft zusammen,
philosophiert nächtelang am Küchentisch. Politische und kulturelle Divergenzen scheint es nicht zu geben, jeder lernt
interessiert vom anderen. Diese Harmonie bricht allerdings nach einem Praktikum von Yunes abrupt ab. Mit Vollbart und
allen klassischen Insignien des bekennenden Moslems kommt er nach Monaten aus Pakistan zurück in die bundesdeutsche
Studenten-Idylle.
Aus dem lebensoffenen jungen Mann ist ein verbohrter religiöser Fanatiker geworden. Und einige Tage vor dem
11. September 2001 verschwindet er für immer... Durch diese Reduzierung auf die Freundschaft zweier Männer wird
aus dem politischen Drama rund um den Anschlag auf das World Trade Center ein sehr intimer Film, der sich nicht mit
den Auswirkungen des Terrorangriffs auf das Weltgeschehen auseinandersetzt – sondern damit, was aus einer Freundschaft
wird, wenn Vertrauen sich plötzlich in Luft auflöst. Aus einem historischen Ereignis wird so ein menschliches um
Treue, Unverständnis und Lügen.
Elmar Fischer setzt bewusst harte Schnitte zwischen seine in einer verschachtelten Zeitstruktur erzählten Geschichte.
Das gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, das Ende zu erahnen – und noch besser auf die kleinen Gesten und Zwischentöne
zu achten, die diese enge Freundschaft allmählich ins Wanken bringen. Gleichzeitig nimmt Fischer durch diesen
Kunstgriff seinem Film auch jede überflüssige Emotionalisierung, was "Fremder Freund" letztlich wie eine
Versuchsanordnung aussehen lässt: Der Versuch einer multikulturellen Freundschaft. Gescheitert.
infos über den film im internet: [ stardust-filmverleih.de ]
kinostart: 11. dezember 2003
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama, Thriller
länge: 106 min
Original: Fremder Freund
Darsteller:
Antonio Wannek, Navid Akhavan, Mina Tander,
Regie:
Elmar Fischer,
Drehuch:
Elmar Fischer, Tobias Kniebe,
Drehjahr: 2003 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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interessantes beziehungsdrama
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interessante problematik, kann eine multikulturelle freundschaft unter solchen umständen bestehen?
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