'Irene war das schönste Mädchen im Büro der VEB Veritas, ach was, sie war das schönste Mädchen hinter dem ganzen Eisernen Vorhang.' Doch die Zeiten in der Zone sind lange her, Irene und ihr Mann Dieter sind mit den drei Kindern 'rübergemacht' in den Westen. Man versucht, sich in einem Münchner Vorort einzurichten. Das geht aber gründlich schief. Denn friedlich, wie der Filmtitel suggeriert, sind die Zeiten beleibe nicht. Politisch wie privat. Neele Leana Vollmar gilt seit ihrem viel versprechenden Debütfilm 'Urlaub vom Leben' als große Hoffnung des deutschen Kinos. Auch ihre anrührende, liebevoll ironische Tragikomödie 'Friedliche Zeiten' besticht durch die exakte, bis in die kleinste Geste hinein ausgezirkelte Schauspielerführung.
Daneben erzeugen Filter die unechten Farben verblichener Polaroid-Aufnahmen und karikieren dadurch subtil die unterschiedlichen Sehnsüchte der Striesows. Vollmar überlässt nichts dem Zufall. Kombiniert man diese Akkuratesse mit der sanft ihre Figuren sezierenden Sprache von Romanautorin Birgit Vanderbeke, deren Bestseller die Drehbuchvorlage bildet, ergibt sich ein wunderbarer, lebenskluger Film über das Leben als Außenseiter und über die späten Sechziger in der Bundesrepublik. Als man 'die von drüben' misstrauisch beäugte und sicherheitshalber lieber nicht grüßte. Als eine Scheidung noch dem gesellschaftlichen Selbstmord gleichkam, Eierlikörtorte für den wöchentlichen Kaffeeklatsch gebacken werden musste und hellblaue Badezimmerfliesen als das private Elysium galten.