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Gabrielle

Liebe meines Lebens

Gabrielle, Kino, Kinoprorgamm, München Schon wieder. Wirklich nicht zum ersten Mal in ihrer darstellerischen Vita gibt Isabelle Huppert in „Gabrielle“ die unterkühlte Dame. Die Frau, die anscheinend ohne Gefühle auskommt und unter deren makelloser Oberfläche es doch so ungemein brodelt. Das kennt man aus Spielfilmen wie „Biester“, „Süßes Gift“ oder „Die Klavierspielerin“, und wie dort bei Claude Chabrol oder Michael Haneke macht die Expertin für unterdrückte Emotion auch diesmal ihre Sache wieder ausgezeichnet. So ausgezeichnet, dass man sie bei den Filmfestspielen in Venedig 2005 mit dem Preis für die beste Darstellerin versah. Recht so. Aber trotzdem beschleicht einen ein heftiges Déja Vu, wenn man der Huppert in der Titelrolle der untreuen und doch eigentümlich reuigen Ehefrau Gabrielle zusieht. Perfektion bis in die Fingerspitzen allein weckt zwar anerkennende Bewunderung für diese Kunstfertigkeit. Gefühle, Mitleiden gar weckt sie nicht. Und an dieser schier unfassbaren Perfektion kränkelt die gesamte, von Patrice Chéreau („Die Bartholomäusnacht“) hochartifiziell montierte Inszenierung der Erzählung „Die Rückkehr“ von Joseph Conrad.
Jahrhundertwende. Paris. Ein Mann namens Jean und eine Frau namens Gabrielle. Beste Verhältnisse, doch die Liebe der beiden, sollte sie jemals existiert haben, ist längst erkaltet. Das zeigt Chéreau gleich unmissverständlich in den ersten Szenen – obwohl nur Jean (Pascal Greggory) zu sehen ist, der vom Herrenclub nach Hause geht. Doch während dieses Spaziergangs erinnert er, wie er sich vor zehn Jahren in seine Gabrielle verliebt hat. Aber eigentlich erzählt er, wie er ein kostbares Schmuckstück aufgestöbert und seiner reichhaltigen Sammlung erlesener Preziosen einverleibt hat. Seitdem sitzt die schöne und schweigsame Gabrielle bei jeder Gesellschaft an seiner Seite, mustergültig meistern die beiden ihr öffentliches Leben zwischen Empfängen, Dinnerparties und Dienstboten. Private Momente existieren nicht, immer steht ein Zimmermädchen hinter der Tür und hört zu, und ganz allmählich ersticken die aufgezwungenen Rituale und Konventionen jegliches Leben. Als Jean an diesem Tag vom Club nach Hause kommt, findet er auf der Frisierkommode einen Abschiedsbrief Gabrielles. Sie hart ihn eines anderen wegen verlassen. Doch bevor Jean sein empörtes Entsetzen in Worte fassen kann, ist Gabrielle wieder da. Sie ist zurückgekehrt, aber passt irgendwie nicht mehr recht in den starren Rahmen ihres früheren Ehelebens. Es beginnt ein Zwei-Personen-Bürgerkrieg, ein Vernichtungsfeldzug mittels gepflegter Umgangsformen.

Gabrielle, Kino, Kinoprorgamm, München Chéreau hat in seiner bis ins kleinste Detail durchdachten Inszenierung Joseph Conrads Geschichte alles Lebendige ausgetrieben. Im Gegensatz zu seinen vorherigen Filmen, „Intimacy“ und „Sein Bruder“, in dem der Körper eines Menschen ohne viele Worte bereits eine enorme Aussagekraft besitzt, dreht sich in „Gabrielle“ dagegen alles um das Aus- und Ansehen, den äußeren Schein und das Korsett, das den Menschen zusammenhält, gleichzeitig stützend und einengend. Einer naturwissenschaftlichen Versuchsanordnung gleich bleibt die Kamera stets auf Distanz, wechselt das Licht und die Farbe je nach Stimmung der beiden Akteure. Dass Chéreau sein Handwerk am Theater und an der Oper gelernt hat, ist diesem exakt konturierten, betont avantgardistischen umgesetzten Spielfilm in jeder Sekunde anzusehen. Geschliffen und gleichzeitig scharf wie Dolche sind die Sätze, die sich Jean und Gabrielle vor Freunden und Dienerschaft ins Herz stoßen, und die beiden großartigen Protagonisten lassen aus dem anfänglichen Ehedrama ein Melodram über verpasste Chancen und Selbstbetrug werden. Das radikal Künstliche an Chéreaus Inszenierung erschwert mitunter allerdings jede Identifikation und Sympathie, und die Gesellschaftskritik gerinnt zur zwar bildschön anzusehenden, aber vollkommen blutarmen Selbstgefälligkeit.

kinostart: 12. Januar 2006

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genre: Großstadtfilm länge: 110 min Original: Sommer vorm Balkon Darsteller: Nadja Uhl, Inka Friedrich, Andreas Schmidt, Sommer vorm Balkon Regie: Andreas Dresen, Sommer vorm Balkon Drehuch: Wolfgang Kohlhaase, Drehjahr: 2005 FSK: 12 Starttermin: Offizielle Website ]

wo läuft der film in münchen? [ Sommer vorm Balkon im kinoprogramm ]

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<pg>

Chéraud hat den Film etwas zu steif und leblos inszniert, dennoch ist er interessant!

sys-co sagt: e-bert sagt:

Oje, das war nix für mich! Der Film hat gar keine Austrahlung und ist somit einfach langweilig!


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