Täuschen. Tricksen. Sich keinesfalls in die Karten sehen lassen und niemals dem freundlichen Gesicht eines anderen vertrauen. Das gehört zum Alltag eines professionellen Pokerspielers. Hingabe. Vertrauen. Ganz ohne Grund. Das sind Voraussetzungen für die glückliche Verbindung eines Paares. Liebe und Pokern scheinen absolute Gegensätze zu sein. Aber was passiert, wenn sich ein Pokerspieler verliebt? Dieser Frage spürt Curtis Hanson ('L.A. Confidental') in seinem Spielfilm 'Glück im Spiel' nach. Die Inszenierung ist an klassischen Vorbildern des Spieler- und Sportlerfilms orientiert. Viele Szenen erinnern an thematisch verwandte Filme wie 'The Cincinnati Kid'. Doch im Gegensatz zu den Klassikern reiht Hanson oft nur exquisite Bilder aneinander. Das verleiht 'Glück im Spiel' eine sehr geradlinige Dramaturgie. Die kann man bestenfalls klar und im ungünstigsten Fall hölzern nennen. In Filmen des Genres dreht sich die Handlung meistens um den in seiner Profession zwar brillanten, emotional aber arg verkümmerten Helden. Erst eine neue Liebe bringt die Hauptfigur dazu, das eigene Fachidiotentum in eine moderatere Form zu bringen, die noch Platz lässt für den Genuss von Sonnenaufgängen Seite an Seite mit der Herzdame.
Bereits in der Prolog-Szene im Pfandhaus zieht der Profispieler Huck sämtliche Register, becirct die Frau hinterm Tresen nach allen Regeln der Kunst, ohne dabei jedoch ein einziges Mal seine professionelle, ausschließlich dem Geschäftszweck dienende Freundlichkeit in echte Herzenswärme umschlagen zu lassen. Genau hier liegt das große Problem Hucks. Für den seit Jahren im Mikrokosmos Las Vegas existierenden jungen Mann ist jedes Detail des Lebens ein Geschäft. Es gibt keine echte Zuneigung oder Hilfsbereitschaft, hinter einem Lächeln stehen allerorts die Dollarzeichen. Sogar seine Beziehung zum ebenfalls pokernden Vater (Robert Duvall) ist von unbedingtem Siegeswillen dominiert. Bana spielt diesen Huck mit einer sehr stimmig akzentuierten Mischung aus Kampfeslust, Trotz, Melancholie und tiefer Verzweiflung. Die gutmütige Nachtclub-Sängerin Billie Offer (sehr blass: Drew Barrymore) wird von Huck nach der ersten Liebesnacht ganz folgerichtig sofort bestohlen, um mit ihren jämmerlichen Kröten den nächsten Einsatz begleichen zu können. Dass aus den beiden ein Paar wird, gehört natürlich dazu. Doch bis dahin benötigt man als Zuschauer eine große Menge Geduld - oder einfach nur ein ungeheures Interesse am Pokerspiel.