Habemus Papam
Ein Papst büxt aus
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Es ist wieder soweit. In der Sixtinischen Kapelle haben sich die Kardinäle aus aller Herren Länder zusammen gefunden, um einen neuen Papst zu wählen. In Ehren ergraute Herren sitzen im Konklave, vertreiben sich variantenreich die Zeit und schicken vor jeder neuen Abstimmungsrunde ein Stoßgebet zum Himmel: 'Herr, verschone mich!' So sind denn mehrere Wahlgänge nötig, bis es schließlich einen trifft - und alle anderen erleichtert aufatmen. Dieser eine jedoch, Kardinal Melville (Michel Piccoli) aus Frankreich, verliert die Fassung. Erst ein wenig, dann immer stärker. Er entkommt seinen Leibwächtern und büxt aus, noch bevor der Kardinalprotodiakon auf dem Balkon am Petersplatz das 'Habemus papam...' verkünden kann. Anschließend trollt sich der Papst in spe, sichtlich unvertraut mit dem modernen Alltag, durch Rom. Geplagt von Zweifeln ob der Bürde und Würde des Amtes, auf der Suche nach einer wahren Berufung.
Nanni Moretti, immerhin Italiens salonfähigster Kommunist und Atheist, hat mit 'Habemus Papam' keine Satire gedreht. Das wäre erwartbar gewesen, und Erwartungen hat der 58-jährige italienische Regisseur noch nie gerne erfüllt. So ist sein Film keine Abrechnung mit den aktuellen Misständen der katholischen Kirche. Moretti schert sich nicht um verknöcherte Strukturen, Skandale, Zölibatsdiskussionen oder den schwindenden Einfluss des Katholizismus. Im Mittelpunkt steht ein Mensch, der sich überfordert fühlt und ahnt, dass er seiner Aufgabe nicht gewachsen sein könnte.
Die deutlich spürbare Zärtlichkeit, mit der Moretti dieses Porträt eines alten Mannes am Scheideweg erzählt, überrascht sehr - und berührt zutiefst. Der 85 Jahre alte Michel Piccoli zählt längst zu Frankreichs Schauspiel-Legenden. Mit seinem souveränen Auftritt als verzweifelter Kardinal beweist er einmal mehr seine Größe. Er spielt seine Rolle mit solcher Umsicht und Besonnenheit, dass auch manche albernen Volten des Drehbuchs angesichts dieser subtilen, ergreifenden Darstellung nicht stören.
Virtuos kombiniert Moretti originales Dokumentarmaterial von der Beerdigung Johannes Paul II. und der Proklamation Benedikts XVI. mit seinen mal heiter-ironisch angelegten, mal eher nachdenklich stimmenden Spielszenen. Die Sixtinische Kapelle und andere Innenräume wurden nachgebaut, denn der Vatikan erteilte keine Drehgenehmigungen in seinen heiligen Hallen. Die detailreiche, prunkvolle Ausstattung ließ den Film zur teuersten Produktion Morettis werden - aber auch zur wohl erfolgreichsten. Nach zwei Monaten hatten bereits mehr als eine Million Besucher in Italien 'Habemus Papam' gesehen.
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[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Komödie
länge: 104 min
Original: Habemus Papam
Darsteller:
Michel Piccoli, Renato Scarpa, Franco Graziosi,
Regie:
Nanni Moretti,
Drehuch:
Nanni Moretti, Francesco Piccolo, Fedrica Pontremoli,
Drehjahr: 2011 FSK: oA
Starttermin: 08.12.2011 [ Offizielle Website ]
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