Nichts ist so, wie es scheint. Und doch ist alles immer wieder nur eine Wiederholung des bereits Dagewesenen. Paolo Sorrentino hat sich nach seinem großartigen 'Unser Freund' an ein heikles Thema gewagt. In dem beeindruckend stilsicheren und stilisierten Politthriller 'Il Divo' wagt er sich daran, den siebenfachen italienischen Ministerpräsidenten und 25fachen Minister Giulio Andreotti (Toni Servillo) mitsamt seinen Ränkespielen und Mafiaverbindungen zu porträtieren. Der Immer-wieder-Regierende der Democrazia Cristiana wird von Sorrentino als sphinxartig verschlossen inszeniert. Servillo spielt den politischen Untoten Italiens reptilienhaft reglos und zugleich faszinierend charismatisch. Mit einem minimalen Einsatz an Gestik und Mimik, fast ausschließlich über die Blicke lässt Servillo einen Mann entstehen, der in seiner vorgeblichen Biederkeit zu den schillerndsten des letzten Jahrhunderts zählt. Schließlich handelt es sich bei Andreotti nicht um irgendeinen Politiker, dem man unlautere Machenschaften nachweisen konnte. Es handelt sich vielmehr um den Diktator eines Operettenstaates, der von seinen Untertanen mit viel sagenden Spitznamen wie 'der Unsterbliche', 'die Eidechse' oder 'der schwarze Papst' belegt wurde.
In langen, maximal gedehnten Kamerafahrten und in einer für eine derart grimmige Farce überaus elegant komponierten Optik seziert Sorrentino mit unbestechlichem Blick die Machtverhältnisse seines Heimatlandes. Da ist so manches erfunden, aber erschreckend vieles wahr. En passant legt Sorrentino in seinem Fakten, surreale Alpträume und Fiktion wild durcheinander wirbelnden Spielfilm das Verlogen-Sakrale der Politik offen. Indem er ein eitles, von Migräne geplagtes Männchen mit riesigen Ohren zeigt, wie es seine Umgebung mit süßlichen Sentenzen langweilt und zeitgleich erbarmungslos und ausschließlich eigene Interessen verfolgt.