Land of Plenty
Verschwörungtheorien
Nach drei Musikdokumentationen über den „Buena Vista Social Club“, BAP und den Blues läuft nun Wim Wenders’ erster Spielfilm nach „The Million Dollar Hotel“ an. „Land Of Plenty“ heißt er, und bereits der Titel beschwört den amerikanischen Traum, den Wenders hier mit all seinen alptraumhaften Schatten und Verletzungen darstellt. Unermesslicher Reichtum und bitterste Armut stehen sich in dem Land gegenüber, das Wenders porträtiert. Was die beiden gesellschaftlichen Pole der Vereinigten Staaten allerdings trefflich eint, ist die grassierende politische Paranoia. In der Figur des traumatisierten Vietnam-Veterans Paul (John Diehl) kondensiert Wenders diese Verstörungen. Paul gondelt mit seinem zum Überwachungsfahrzeug umgebauten Wohnmobil durch die Straßen von Los Angeles, überall wittert er islamistische Verschwörungen. Täglich notiert er akribisch seine Beobachtungen, spioniert mit der Videokamera jedem vermeintlich Verdächtigen hinterher. Geht ein arabisch aussehender Mann mit Bart und Turban über die Straße, der einen Karton unter dem Arm trägt, ahnt Paul sofort einen neuerlichen Giftgasanschlag und bläst zur groß angelegten Verteidigung des Vaterlandes. Ein Opfer der Terrorismus-Hysterie ist aus dem ehemals zielstrebigen Mann geworden. George W. Bush und Colin Powell, Osama Bin Laden, der 11. September, Israel, Palästina – alles verschwimmt für Paul zu einem Brei der Gefahr, gegen den man sich wappnen muss.
Als Antagonistin stellt Wenders dem Wirrkopf Paul die junge Lana (Michelle Williams) zur Seite. Lana ist Pauls Nichte, als Tochter eines Missionars im Nahen Osten aufgewachsen, und sie vertritt dementsprechend ein anderes Bild Amerikas. Sie hat sich, lange fern der Heimat lebend, einen naiv-unschuldigen Blick auf die Vereinigten Staaten bewahren können, arbeitet in einem Obdachlosen-Asyl und ist auch sonst der klassische Wendersche Gutmensch. Das erstaunte Entsetzen über die Zustände in den USA, das Elend der Armen, Kranken und Hungernden steht ihr buchstäblich ins engelsgleiche Gesicht geschrieben.
Viele Großaufnahmen lang zeigt Wenders die verwitterten Züge Pauls oder das wie von Raffael gemalte Antlitz Lanas. Leider verzichtet er wie üblich auch diesmal weit gehend auf eine stimmige Erklärung seiner elegisch komponierten Bilderflut. Schwelgerisch schön ist sein Porträt des verarmten Amerikas. Die Kapitalismuskritik schimmert da nur gelegentlich durch. Daran ändert auch der permanente Einsatz der schwankenden Handkamera nichts, die wohl einen knallharten Realismus suggerieren soll. Tatsächlich ist diese Abrechnung mit dem Ist-Zustande der USA aber eine arg gedehnte, mit viel Obdachlosen-Kitsch verbrämte Gefühlsduselei.
infos über den film im internet: [ land-of-plenty.de ]
kinostart: 07. oktober 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama, Krimi
länge: 123 min
Original: Land of Plenty
Darsteller:
Michelle Williams, John Diehl, Richard Edson,
Regie:
Wim Wenders,
Drehuch:
Michael Meredith, Wim Wenders,
Drehjahr: 2004 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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Ein Film, der den Zeitgeist in den USA kritisch beleuchtet, sich leider aber zu oft in Bildern verliert.
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Der Stoff des Films ist ohne Frage interessant, doch Wim Wenders ist die Sache zu künstlerisch angegangen!
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