Israelische Regisseure, die über ihre Heimat erzählen wollen, können gar nicht anders als politisch sein. Allerdings sind sie das meistens allegorisch, selten wie in Assi Dayans 'Life According To Agfa' wird der Konflikt mit den Palästinensern offen ausformuliert. Eran Riklis, der seit 'Die syrische Braut' als Meister der spitzzüngigen Parabel gelten darf, beweist in 'Lemon Tree' erneut sein Gespür für die Absurditäten des israelischen Alltags. Diesmal aber weitaus direkter als bislang.
Die palästinensische Witwe Salma (Hiam Abbas) lebt seit ihrer Geburt in der West Bank, beim uralten Zitronenhain ihrer Familie. Die Bäume sollen nun den Sicherheitsvorkehrungen weichen, die Salmas neuer Nachbar um sein Grundstück ziehen will. Da es sich bei diesem Nachbarn um den israelischen Verteidigungsminister handelt, wird Riklis' berührender Spielfilm rasch zum fesselnden Gerichtsdrama. Es kommt zu einer für das gegenwärtige israelische Kino überraschend klaren und gleichzeitig fein nuancierten Konfrontation. Mit wenigen Einstellungen karikiert Riklis die Politik des allzeit gewaltbereiten Muskelspiels und der endlosen Meter Stacheldraht im Nahen Osten.