munichx.de - Stadtmagazin für München







   Kinoprogramm     Neu im Kino      Filmvorschau      alle Kinos      alle Filme      Filmarchiv
 deine bewertung |

The Limits of Control

Der neue von Jim Jarmusch

The Limits of Control, Kino, Kinoprogramm, München 'Am liebsten mag ich Filme, in denen die Menschen sich einfach gegenüber sitzen und nichts reden.' Eine fast weißhaarige Blondine mit Cowboyhut (Tilda Swinton) und ein wortkarger Mann (Isaach de Bankolé) mit dunkler Hautfarbe, der als 'geheimnisvoller Fremder' eingeführt wird, sitzen an einem Cafétischchen in Madrid. Um sie herum tobt das Leben, aber die zwei sitzen einfach nur da. Gesprochen wird bis auf den bereits erwähnten Satz kaum. Bis sie sich gegenseitig ein Päckchen Streichhölzer zuschieben, die namenlose Frau aufsteht und im geschäftigen Treiben der Altstadt verschwindet.
Am nächsten Tag sitzt der Fremde wieder im gut sitzenden Anzug im selben Café, rührt in seinen zwei Espressotassen und wartet. Bis diesmal ein Mann mit einer Gitarre auftaucht und sich zu ihm setzt. Es werden wenige Silben gewechselt, die Streichholzschachteln ausgetauscht, danach verschwindet auch dieser seltsame Besucher wieder. So geht das einige Tage, es treten immer wieder neue, skurril anmutende Gäste an den Tisch des Fremden, und Jim Jarmusch spannt die Geduld des Zuschauers anfangs schon arg auf die Folter. Denn es dauert, bis 'The Limits of Control' in die Gänge kommt. Das geschieht ganz Jarmusch-typisch nicht durch schnelle Schnitte oder rasant-hektische Kamerafahrten, sondern durch den unvergleichlichen Soundtrack und die elegisch schönen Bilder von Kameramann Christopher Doyle ('In the Mood for Love', 'Hero', 'Long walk Home'), die eben eine gewisse Zeit benötigen, um ihre Sogkraft vollends zu entfalten.
Dann allerdings erscheint 'The Limits of Control' wie ein auf den ersten Blick schwer zugängliches, sich aber bei genauerem Betrachten immer weiter öffnendes Gesamtkunstwerk. Der Soundtrack, eingespielt von der experimentellen japanischen Rockgruppe 'Boris', veredelt die elegant choreographierten Kameraeinstellungen, gerade indem die Musik bei einem maximal theatralisch gesetzten Bildausschnitt fast störend dazwischenfährt. So nahtlos perfekt aufeinander abgestimmt waren Bild und Ton selbst bei Jarmusch selten, zuletzt bei 'Down by Law' und 'Dead Man'.

The Limits of Control, Kino, Kinoprogramm, München 'The Limits of Control' ist eine Fundgrube für jeden Fan der gepflegten Überinterpretation. Selten hat Jarmusch so wenig Hilfestellungen bei der Motivsuche gegeben, so wenig Tipps in seine ohnehin knapp gehaltenen Dialoge eingebaut. Bis zum Ende bleibt in dieser märchenhaft-zeitlosen Parabel vieles offen. Und sämtliche Fährten, die Jarmusch eingangs in Richtung Gangsterfilm im Stile der sechziger oder Siebzigerjahre legte, verlaufen bis zum letzten Drittel dieses wunderbar phantasievollen Rätsels im Sande.
Wieso trinkt der Mann immer zwei Tassen Kaffee? Nie mehr, nie weniger, und immer in zwei getrennten Tassen? Um welche Formel geht es eigentlich? Warum soll der schwer bewachte 'Amerikaner' umgebracht werden, und was hat der bieder wirkende Kerl eigentlich getan, um den Tod zu verdienen? Wer sagt hier die Wahrheit? Wieso benutzt niemand ein Mobiltelefon? Wer ist die halbnackte Frau mit Brille und Regenmantel im Hotelzimmer? Wer zieht die Fäden hinter dem geheimnisvollen Fremden und den anderen seltsamen Gestalten? Die sind mit Swinton, John Hurt, Gael Garcia Bernal, Youki Kudoh, Hiam Abbas oder am Ende Billy Murray zwar bestens besetzt. Erhellen die seltsam verschlungene Schnitzeljagd durch Spanien jedoch absolut nicht.
Aber wenn die Blondine Tilda Swinton am Ende ihres Treffens mit dem seltsamen Fremden und dem obligatorischen Austausch der Streichhölzer fortgeht, spannt sie einen durchsichtigen Regenschirm auf und dreht sich dabei einmal um die eigene Achse. Die Sonnenstrahlen blitzen kurz auf der blanken Oberfläche des Schirms auf. Leichtfüßig, fast schwerelos und überirdisch hell erscheint diese Szene. Und von einer derart unprätentiösen Poesie, dass einem kurz der Atem stockt. Wen interessiert angesichts derart unvergesslicher Kinomomente noch die banale Frage nach dem Warum, die gänzlich unbeantwortet bleibt.

Infos über den Film & Trailer im Internet: [ thelimitsofcontrol.de ]

Kinostart: 28. Mai 2009

<uf>

Wirklich ein Gesamtkunstwerk! Großartig!!

sys-co sagt: e-bert sagt:

Ein Super Film! Rätselhaft, cool und genial!

The Limits of Control - Trailer

Diese Filmkritik weiterempfehlen ]

genre: Drama, Essayistischer Film, Krimi, Thriller länge: 116 min Original: The Limits of Control Darsteller: Isaach de Bankolé, Bill Murray, Tilda Swinton, The Limits of Control Regie: Jim Jarmusch, The Limits of Control Drehuch: Jim Jarmusch, Drehjahr: 2009 FSK: 12 Starttermin: 28.05.2009 Offizielle Website ]

wo läuft der film in münchen? [ The Limits of Control im kinoprogramm ]

Bei amazon.de gibt's [ Soundtrack und Buch ] zum Film




  Kino- & Filmsuche  
 
Originalfassung - OmU ] [ Kinderfilme ]
Liebesfilme ] [ Komödien ] [ Actionfilme ] [ Thriller & Krimis ] [ Musikfilme ]
Drama & Filmkunst ] [ Horrorfilme ]
 


seite weiterempfehlen deine bewertung

© munichx.de -

Impressum

Datenschutzerklärung

Hier klicken um die Seite ohne Google Analytics zu nutzen


  Kino- & Filmsuche  
 
Originalfassung - OmU ] [ Kinderfilme ]
Liebesfilme ] [ Komödien ] [ Actionfilme ] [ Thriller & Krimis ] [ Musikfilme ]
Drama & Filmkunst ] [ Horrorfilme ]
 




  Google-Anzeigen