Mathilde
Eine große Liebe
Der Erste Weltkrieg ist bislang filmisch bei weitem nicht so gut erschlossen wie der Zweite. Zur Zeit spielen Benno Fürmann, Daniel Brühl und Diane Krüger in einem Kinofilm über die Verbrüderung deutscher und französischer Soldaten am Weihnachtsabend 1914 mit. Die Franzosen waren aber wieder einmal schneller, wenn es darum geht, neue Plots in passende Bilder zu fassen. Und so gibt es jetzt bereits den ersten großen Spielfilm französischer Provenienz über die Fronterlebnisse 1914 bis 1918. „Mathilde – Eine große Liebe“ heißt er, und wie immer steht natürlich bei unseren Nachbarn im Westen nicht die Gemeinschaft der Waffenbrüder im Mittelpunkt – sondern die Liebe.
Zwar dreht sich anfangs alles um fünf französische Soldaten, die sich selbst verstümmeln, um dem Grauen des Schützengrabens zu entkommen. Sie werden überführt und zum verschärften Dienst in eine Strafkompanie abkommandiert. Nach dem Waffenstillstand im November 1918 kehrt keiner der fünf wieder zurück nach Hause. Aber Mathilde (arg rehäugig: Audrey Tautou), die Verlobte des jungen Manech (Gaspard Ulliel), ist überzeugt davon, dass der Heißgeliebte noch am Leben ist – und macht sich auf die Suche durch ein vom Krieg nicht nur ökonomisch zerstörtes Land.
Jean-Pierre Jeunet, dem alle Freunde des klebrigen Kitsches und der vorgetäuschten Tiefenschärfe den Film „Die fabelhafte Welt der Amélie“ verdanken, hat nach einigen skurrilen Märchen einen Kriegsfilm gedreht. Man mag zu Beginn den eigenen Augen nicht trauen, so schnell und hart werden hier die äußerst realistischen Schlachtenszenen aneinander montiert. Bilder von abgetrennten Gliedmaßen und brutale Gemetzel im Schlamm rasen vorbei. Doch Jeunet bleibt seinem Hang zur Abstraktion und zum Comic-haften Erzählen in Schlaglichtern treu – ebenso wie seiner Neigung zum versöhnenden Ende, in dem es schließlich vor Figuren wimmelt, die das Herz auf dem rechten Fleck tragen.
„Mathilde“ ist ein bildgewaltiges, phantasievoll komponiertes ausgestattetes Melodram um eine verlorene Liebe. Doch in diesem zugegeben äußerst ansehnlichen Bilderrausch laufen die Charaktere Gefahr, als hohle Stichwortgeber diskreditiert zu werden. Woher schöpft Mathilde etwa die Kraft zur jahrelangen Suche nach dem verschollenen Manech? Was macht der eigentlich in der Zwischenzeit? Der melancholische Charme, der Jeunets frühere Filme auszeichnete, ist diesmal einer massiven Hollywoodisierung geopfert worden.
infos über den film im internet: [ mathilde-derfilm.de ]
kinostart: 27. januar 2005
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama, Liebesfilm
länge: 134 min
Original: Un long dimanche de fiancailles
Darsteller:
Audrey Tautou, Gaspard Ulliel, Dominique Pinon,
Regie:
Jean-Pierre Jeunet,
Drehuch:
Jean-Pierre Jeunet, Guillaume Laurant,
Drehjahr: 2004 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
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Audrey Tautou bleibt für mich einfach Amélie! Sorry, irgendwie hat mich der ganze Film daran erinnert, nur ist er nicht so gut!
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Amélie fand ich genial! Das war schönstes französisches Kino! Mathilde ist leider nur halb so gut, aber das ist ja auch was!
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