Mein Leben ohne mich
Noch 2 Monate
Gebärmutterkrebs. Unheilbar. Endstadium. So lautet die Diagnose des
stammelnden Arztes, der seiner erst
23jährigen Patientin Ann (Sarah Polley) vor lauter Verlegenheit ein
Karamellbonbon anbietet. Und genau
diese Momente, in denen die Rührung gebrochen wird, machen aus "Mein Leben
ohne mich" nicht irgendeinen
sentimentalen Heuler mit Taschentuch-Garantie, sondern einen fein
komponierten, zutiefst bewegenden
Spielfilm, den man auch lange nach dem Verlassen des Kinos nicht vergessen
kann.
Filme über Todkranke sind meistens in ihrer von Streichorchestern
arrangierten Weinerlichkeit unerträglich.
Trotzdem treibt einem die perfekt durchkomponierte Sentimentalität die
Tränen in die Augen. Im Film der
Kanadierin Isabel Coixet ist das anders: Vor lauter Verblüffung über die
tatkräftige Tapferkeit der
Hauptdarstellerin bleibt dem Zuschauer für Rührung kaum Zeit.
Ann, glücklich verheiratet, Mutter zweier niedlicher Mädchen, nimmt die
schockierende Nachricht mit einer
übernatürlichen Ruhe auf. Keine Tränen, kein hysterisches Schreien - auch
keine nächtelangen Diskussionen
über das Leben mit ihrem Mann, der Freundin oder ihrer Mutter. Niemandem
sagt sie ein Wort. Mit starken
Schmerzmitteln werden die Symptome unterdrückt. Keiner soll etwas von der
Krankheit erfahren.
Statt
dessen versucht sie in den knapp zwei Monaten, die der Arzt ihr noch
prognostiziert, das Leben ihrer Familie
unauffällig neu zu arrangieren: Sie sucht heimlich eine neue Partnerin für
ihren Mann, die gleichzeitig auch
Kinder mögen sollte. Sie kümmert sich um einen neuen Freund für ihre
verbitterte Mutter. Und stellt für sich
eine Liste auf, was sie noch erleben will: "Mit einem anderen Mann Sex
haben, jemanden in mich verliebt
machen", und und und. Punkt für Punkt arbeitet Ann akribisch ihre Liste ab.
Isabel Coixet schafft es in ihrer feinfühligen Inszenierung, eine
pulsierende Hymne auf das Leben zu
arrangieren. Die Kamera holpert hinter Ann durch ihren auf den ersten Blick
so tristen Alltag, und gewinnt in
den geschenkten, vergoldeten Augenblicken von Anns Glück auf einmal
Standfestigkeit. Doch "Mein Leben
ohne mich" wäre nur die Hälfte ohne die anbetungswürdige Sarah Polley in der
Hauptrolle. In ihrem Gesicht
spiegelt sich das gesamte Aufklaren und Selbstsicherwerden von Ann, ohne das
ein Wort darüber verloren
wird. Wenn Ann in einem gestohlenen Moment nachts im Auto Cassetten für die
nächsten Geburtstage ihrer
Töchter bespricht oder sich den Regen aufs Gesicht prasseln lässt, dann
liegt in diesen Szenen eine
Botschaft, die man viel zu selten beachtet: Lebe! Jetzt. Hier. Heute.
infos über den film im internet: [ meinlebenohnemich.de ]
kinostart: 04. september 2003
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Drama
länge: 100 min
Original: My Life Without Me
Darsteller:
Sarah Polley, Mark Ruffalo, Scott Speedman,
Regie:
Isabel Coixet,
Drehuch:
Isabel Coixet,
Drehjahr: 2002 FSK: 6
Starttermin: 04.09.2003 [ Offizielle Website ]
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Ein trauriger Film, der aber nicht auf die Tränendrüse drückt! Sehr gut!
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Leider ist mir das Thema zu schwermütig, aber der Film ist gut!
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