Moulin Rouge
Nur echt mit der Mühle...
Ein roter Vorhang mit Goldtressen geht auf. Wie im Stummfilm ist während des
Vorspanns am
unteren Bildrand ein Dirigent zu sehen, danach eine Tafel, die den Ort des
Schauspiels ankündigt:
Moulin Rouge. Die Kamera saust kopfüber ins Gewirr der Häuser und Straßen
von Paris, kurz ist am
Rand das Schild "Montmartre" zu erkennen und schon wieder vorbei, ebenso
schnell sieht man
Gesichter von grell aufgerüschten Prostituierten aufblitzen in einem Strudel
von Farben und
Formen, dann endlich die legendäre rote Mühle, Schwenk zum Nachbarhaus, dem
"Hotel L´Amour",
hinein ins Fenster der Dachkammer, wo ein armer Poet wie bei Spitzweg in
kärglichem Ambiente
haust, Schreibmaschine auf dem Tisch, Flasche Absinth daneben. Hier, nach
dem rasanten Einstieg
der ersten Minute, gönnt Baz Luhrmann dem Zuschauer für wenige Sekunden
Pause von seinem
Bilderrausch. Und man fragt sich beklommen, ob man der ungewohnten
Schnelligkeit wegen nicht
schon jetzt mindestens fünf originelle Einfälle und zwanzig weitere
Klischees übersehen hat.
In atemberaubendem Tempo saugt der Film den Zuschauer ein ins pralle,
ausschweifende Leben im
Paris der Jahrhundertwende. Hier verliebt sich der mittellose Schriftsteller
Christian (Ewan
McGregor) in die umschwärmte Kurtisane Satine (Nicole Kidman). Die ist aber
nicht nur einem
reichen Grafen versprochen, sondern auch noch todkrank.
Überladen,
übertrieben, alles schon mal
dagewesen? Ja, aber so noch nicht. Denn Luhrmann, der bereits Shakespeare in
seinem furiosen
"Romeo + Julia" völlig auf den Kopf stellte, hat auch diesmal wieder ganz
dick aufgetragen: Da wird
nicht nur Röcke-raschelnd Can-Can getanzt, sondern es fliegen einem die
Frauenbeine regelrecht
um die Ohren. Gegen Luhrmanns traurige Szenen sind die von ihm hemmungslos
geplünderten
Liebestragödien wie "La Bohéme" oder "Die Kameliendame" reinste Party. Gibt
es im "Moulin
Rouge" Grund zur Freude, kennt die Begeisterung keine Grenzen ? die Liebe
zwischen Christian
und Satine ohnehin nicht. Die ständig wechselnden Kostüme, die zwar leicht
durchschaubaren aber
dennoch überraschenden Kamerabewegungen, die ausgefeilten Choreographien?
Baz Luhrmanns
barockes Star-Kino changiert irgendwo zwischen Oper und MTV: Man erkennt die
Tricks, und läßt
sich doch gerne darauf ein.
"Moulin Rouge" ist ein orgiastischer Rausch der Sinne, ein atemloses,
atemberaubendes
Pop-Musical, das jedoch schließlich zwischen all den Tütüs, Lichterketten
und Liebesschwüren zu
einer herzzerreißenden Tragödie mutiert. Doch sogar im Moment des tiefsten
Mitleidens bemerkt
man wieder erleichtert die wohlgesetzte Künstlichkeit dieses flirrenden
Spektakels voller Kunst und
Kitsch und Krempel, denkt an den Theatervorhang zu Beginn und ist aber schon
längst reingefallen
auf Luhrmanns sogenanntes "Roter-Vorhang-Kino", seine naiven Phantasien,
seinen Witz und
seine Ironie: War doch nur alles Illusion... Ja, aber was für eine!
infos über den film im internet: [ moulinrouge.de ]
kinostart: 18. oktober 2001
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Musical
länge: 127 min
Original: Moulin Rouge
Darsteller:
Nicole Kidman, Ewan McGregor, John Leguizarno,
Regie:
Baz Luhrmann,
Drehuch:
Baz Luhrmann, Craig Pearce,
Drehjahr: 2001 FSK: 12
Starttermin: [ Offizielle Website ]
wo läuft der film in münchen? [ Moulin Rouge (2001) im kinoprogramm ] Bei amazon.de gibt's [ Soundtrack und Buch ] zum Film
<pg>
grossartig! phantastisch inszeniert!
|
 |
|
nett gemacht, aber doch ein ziemlicher quatsch!!
|
|