Ein Film über zwölf Behinderte, die Aktfotos von sich machen lassen. Kann nur eitler Schmarrn sein? Keineswegs! Regisseur Niko von Glasow ('Edelweißpiraten') hat ihn gedreht. Über Contergan-geschädigte Männer und Frauen. Glasow ist selbst einer von ihnen. In seiner Dokumentation berichtet er, dass 'jeder, der mich zum ersten Mal sieht, darauf reagiert, wie ich aussehe. Sie starren oder schauen weg. Sie zeigen, dass sie sich unsicher fühlen in meiner Gegenwart. Ich kann es ihnen kaum verdenken. Ich fühle mich ja selber sehr unsicher.' Um diese Unsicherheit zu bekämpfen, sucht Glasow, stets von der Kamera begleitet, elf Mitstreiter, die sich wie er fotografieren lassen.
Auf diese Weise lernt der Zuschauer zwölf völlig unterschiedliche Menschen kennen, die ausschließlich ihre Körperbehinderung eint, da ihre Mütter während der Schwangerschaft das Schlafmittel Contergan nahmen. Glasow fragt nach intimsten Details, erzählt politisch inkorrekte Witze und zeichnet in kurzen Skizzen ganze Lebensläufe nach. Jede einzelne Biografie könnte bereits eine Dokumentation füllen. Da gibt es die vor Selbstbewusstsein und Lebenslust nur so strotzende dreifache Mutter und Belfaster Bürgermeisterin Kim Morton, die 'alles kann außer laufen'. Da ist Mat Fraser, ein überaus geistreicher, selbstironischer Theaterschauspieler oder die energische Dressurreiterin Bianca Vogel. Sie alle erzählen, wie sie sich mit dem Schicksal arrangiert haben und stellen sich schließlich hüllenlos vor die Kamera. Spätestens dann geschieht, was Glasow zu Beginn seinem elfjährigen Sohn Mandel erklärte: 'Anfangs schauen die Leute immer auf meine kurzen Arme. Aber irgendwann sehen sie die gar nicht mehr.' 'Nobody's Perfect' ist kein Betroffenheitsfilm, sondern mutig, spannend, klug und vor allem wirklich sehr lustig.