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Schlafkrankheit

Maladie du sommeil

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Der Film beginnt im Dunkeln - und dort endet er auch. Anfangs sieht man den Entwicklungshelfer Ebbo Velten (Pierre Bokma) nachts auf dem Weg zum Flughafen. Er holt seine 14-jährige Tochter ab, die seit langem in Deutschland in einem Internat lebt, während er mit seiner Frau (Jenny Schily) in Yaoundé ein Projekt zur Bekämpfung der Schlafkrankheit leitet. Ein letzter Besuch wird es werden, denn am Ende dieser Schulferien der Tochter wollen alle gemeinsam den Weg zurück nach Deutschland antreten. Um die massive Entfremdung zwischen Eltern und Tochter aufzuhalten, haben sich Ebbo und seine Frau dazu entschlossen, wieder in die Heimat zurückzukehren, die ihnen inzwischen längst die Fremde geworden ist.
Ein letztes Bad im Fluss, ein letztes Mal mit den befreundeten Kollegen zum Abendessen, ein letztes Mal durchs leer geräumte Haus streifen. Ebbo wird nicht mitfahren, obwohl er Frau und Tochter liebt. Denn in Deutschland ist er noch fremder als hier. In der letzten Szene des ersten Teils sieht man ihn schluchzend mit seiner Frau telefonieren. Dann wird es dunkel, und Ebbo tritt eine Reise an wie man sie aus Joseph Conrads 'Herz der Finsternis' kennt.

Im zweiten Teil des Films steht ein anderer Afrikareisender im Zentrum der Episode. Der Mediziner Alex Nzila (Jean-Christoph Folly) ist ein Europäer mit kongolesischen Wurzeln, was zu höchst amüsanten und von Köhler markant auf den Punkt gebrachten Irritationen führt. Der Arzt aus Paris ist nach Kamerun gereist, um zu Überprüfen, ob Ebbos Schlafkrankheits-Forschungen noch ihre Entwicklungshilfe-Gelder wert sind. Das Projekt existiert längst nicht mehr, Ebbo ist an dubiosen Geschäften beteiligt und erzählt Alex Geschichten vom Flusspferd.
Der Weiße fremd in Deutschland, der Schwarze fremd in Afrika - es geht auch diesmal bei Köhler wieder um die Suche nach dem richtigen Leben im falschen. Seine Filmhelden sind uneins mit sich selbst, fühlen sich unbehaust in der eigenen Haut, egal ob die Frau in 'Montag kommen die Fenster' oder der Bundeswehrsoldat in 'Bungalow'. Dank des dramaturgisch sehr cleveren Einfalls, in der Mitte des Films eine zweite Hauptfigur einzuführen, kann Köhler jegliche Eindimensionalität vermeiden. Die xte Wiederholung der Geschichte vom weißen Mann auf dem schwarzen Kontinent wird gebrochen, und die Positionen werden neu verteilt. Afrika ist für Köhler nicht nur eine exotische Kulisse. Sondern ein weiterer Protagonist.
Er findet immer wieder neue Situationen, die das Fremde betonen, und zwar jedes Mal so beiläufig wie nur möglich. Die langen Autofahrten. Das Schweigen. Das Wegsehen. Die kurzen, knappen Dialoge. Die hypnotische Finessse von Köhlers Arbeiten lag schon immer im Detail, im subtilen Arrangement, was oft an sein Regievorbild Apichatpong Weerasethakul denken lässt. Kameramann Patrick Orth füllt die bewusst offen gelassenen Leerstellen souverän. Sogar in der Schlussszene. Mit Nilpferd im Dunkeln.

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genre: Drama länge: 91 min Original: Schlafkrankheit Darsteller: Pierre Bokma, Jean-Christophe Folly, Jenny Schily, Schlafkrankheit - Maladie du sommeil Regie: Ulrich Köhler, Schlafkrankheit - Maladie du sommeil Drehuch: Ulrich Köhler, Drehjahr: 2011 FSK: 6 Starttermin: 23.06.2011 Offizielle Website ]

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