La mala Educación - Schlechte Erziehung
Der neue Film von Pedro Almodovar
Eine Frau wirft sich in einem Zoo vor den Augen der übrigen Besucher in ein Becken voller Krokodile, umarmt eines von ihnen und lässt sich auffressen, ohne einen einzigen Laut von sich zu geben. Ein Mann erleidet beim nächtlichen Motorradfahren einen Herzinfarkt, seine Leiche rast noch Kilometer weiter in die Dunkelheit. Solche Geschichten sind es, die der erfolgreiche Regisseur Enrique Goded (Fele Martinez) sucht, um daraus womöglich einen Film drehen zu können. Die Handlung setzt im Madrid der Achtziger Jahre ein, als der Tod Francos den spanischen Künstlern neuen Atem einhauchte. Vor der Tür von Enrique, der täglich am Schreibtisch sitzt und aus den Zeitungen seine skurrilen Sensationsstorys schneidet, steht eines Tages ein gleichaltriger Mann. Der behauptet, Ignacio, Enriques Schulfreund und erste große Liebe aus Internatszeiten zu sein. Er bedrängt Enrique, eine autobiographische Erzählung zu verfilmen. Mit ihm in der Hauptrolle, selbstverständlich. Dieser Besuch bleibt nicht ohne Konsequenzen, und man muss kein Kenner des Werks von Friedrich Dürrenmatt sein, um zu erahnen, dass von nun an alles anders sein wird im Leben von Enrique.
Das wirklich Neue an „La mala educación“, diesem jüngsten, meisterhaft inszenierten Melodram von Pedro Almodovar ist, dass sich der bislang als „Frauenregisseur“ titulierte Almodovar jetzt an das Seelenleben der Männer wagt. Kerle am Randes des Nervenzusammenbruchs, sozusagen. Er schickt den Zuschauer auf eine Reise durch einen schrillen Kosmos voller Obsessionen, Drag Queens, Transvestiten, homophiler und homophober Männer. Seinem Lieblingsthema, der Identitätssuche eines Außenseiters, bleibt Almodovar aber auch diesmal treu: Eifersucht, Lügen, Intrigen und Mord stellt Spaniens Kultur-Exportschlager Nr. 1 wieder in gewohnt drastischer Weise da – wie immer überzuckert vom Tortenguss des großen Pathos, für das Almodovar seit Jahren so geschätzt wird.
Es ist ein Puzzlespiel, das Almodovar in „La mala educación“ präsentiert. Ein kunstvoll arrangiertes Mosaik, aus dem sich erst nach vielen Rückblenden langsam die Fiktion von der Realität trennen lässt. Dementsprechend bildhaft und bunt ist auch die Ausstattung und Lichtgebung dieser eigentlich gar nicht fröhlichen Geschichte über eine Kindheit im katholischen Kloster, mit sexuellem Missbrauch und aufgerissenen Seelen. Wie eine düstere Wolke lastet ein Geheimnis auf den Personen, und die Finsternis lässt sich trotz aller Bemühungen nicht aus den seidig schimmernden, farbenprächtigen Gewändern der zum Discogang aufgetakelten Transvestiten schütteln. Almodovar ist erwachsen geworden, scheint es. Während seine bisherigen Spielfilme trotz aller nötigen Tristesse immer noch einen optimistischen Grundton ausatmeten, ist „La mala educación“ durch und durch geprägt von einer unendlichen Melancholie. Schließlich lässt sich jede seiner Figuren von Krokodilen auffressen, ohne auch nur einen Laut von sich zu geben.
infos über den film im internet: [ la-mala-educacion.de ]
kinostart: 30. september 2004
[ Diese Filmkritik weiterempfehlen ]genre: Tragikomödie
länge: 105 min
Original: La mala educacion
Darsteller:
Fele Martínez, Gael Garcia Bernal, Daniel Chiminez Cacho,
Regie:
Pedro Almodóvar,
Drehuch:
Pedro Almodóvar,
Drehjahr: 2004 FSK: 12
Starttermin: 30.09.2004 [ Offizielle Website ]
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Pedro Almodovars Filme haben mir schon immer gefallen. Auch dieser ist wieder ein Meisterwerk, das nachdenken lässt!
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Keine leichte Kost, aber sehr gelungen. Doch mir war der Film doch zu melancholisch!
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