Sand ist der einzige Unterschied. Annes Arbeits- und Urlaubswelten unterscheiden sich nur durch den Sand, der sich im spanischen Feriendomizil Benidorm vor dem Haus, im Hotelzimmer und zwischen den Zehen von Anne und ihrer Schwester Marie ausbreitet. Der Rest ist überall die identische gelackte Oberfläche aus dem Modemagazin, viel Glas, Stahl, Beton und High Tech. Heike Makatsch, die gemeinsam mit Johanna Adorján auch das Drehbuch zu 'Schwesterherz' verfasste, dominiert als Anne diesen Film. Hyperaktiv, launisch und trotz aller zur Schau gestellten, lautstarken Souveränität immer unsicher gleitet die Mittdreißigerin, eine erfolgreiche Musikproduzentin, durch klinisch sterile Büroräume und aseptisch wirkende Wohnzimmer. Jung sein muss man in der Branche, gut aussehen und jeden Trend erfüllen, 'sonst ist man schnell weg vom Fenster', orakelt die rastlose Anne und strampelt sich unglücklich durch ihr aalglattes Leben. Der Urlaub mit der jüngeren Schwester Marie (Anna Maria Mühe), die gerade ihr Abitur bestanden hat, soll den Kopf wieder frei blasen. Funktioniert aber nicht. Erholung stellt sich kaum ein, da sich der daheim gebliebene Freund in der Fremde nicht mehr meldet, und auch im Büro kommen alle bestens ohne Annes herrische Art aus. In ihrem verzweifelten Bemühen, in jedem Augenblick großartig wirken zu müssen, erinnert Makatschs Anne an Gloria Swanson in Billy Wilders 'Boulevard der Dämmerung'. Und wie dort ist in 'Schwesterherz' die Erkenntnis für Anne schmerzlich, dass es neben ihr auch andere Götter gibt.
Die Leider hat Regisseur Ed Herzog, mit dem Makatsch bereits 2004 'Almost Heaven' drehte, zu sehr auf seine Hauptdarstellerin gesetzt. Die übrigen Figuren bleiben reine Stichwortgeber. Auch die als Antipode sinnfällig einsetzbare Marie darf nur als Zerrspiegelbild für Anne ein paar idealistische Lebensweisheiten von sich geben. So gerät das anfangs noch dualistisch arrangierte, in entsättigten Farben unerklärlich viel Düsternis suggerierende Kammerspiel zur One-Woman-Show für Heike Makatsch. Die füllt den Part mit einem eleganten Glissando an Emotionen ganz passabel aus. Doch das redundante Drehbuch verschenkt manche mögliche Wendung des Plots, der ohnehin nicht viel Innovation bietet.