Dieser Film ist ein Reißbrett-Konstrukt. Nachdem Jimi Blue Ochsenknecht, inzwischen auch noch singender Sohn von Uwe, dem 'Wilde Kerle'-Alter endgültig entwachsen war, musste schnell eine neue Zielgruppe erreicht werden. Denn Jimi Blue, Star der DWK-Filmserie und seit vielen Monden Dauergast in 'Bravo' und ähnlichen Druckerzeugnissen, alterte mit seinen Fans vom unschuldigen Kinderfilm-Darsteller in die Pubertät, und in der interessiert nicht mehr der Fußball, sondern der erste Kuss.
'Sommer' von Mike Marzuk ist der clever kalkulierte, seelenlose Versuch, dem Teeniestar Ochsenknecht junior eine neue Möglichkeit der Vermarktung der eigenen Person zu ermöglichen. Wie es sich für einen 'Bravo'-Posterboy gehört, muss der harmlos wirkende Jimi Blue im Film den Geheimnis umwitterten Berliner Großstadt-Bubi in der Provinz mimen. Denn sein bei der Luftwaffe beschäftigter Vater stellt den Sohn kurzerhand bei der Oma auf Amrum ab, als der nächste Irak-Einsatz bevorsteht. Die gesamte Handlung gewinnt 'Sommer' denn auch durch diesen Stadt-Land-Gegensatz. Die anderen tragen biedere Ponyfrisuren und bunte Badehosen am Strand, Jimi Blue alias Tim schwitzt einsam aber cool in schwarzer Lederjacke und Bikerklamotten. Ob es am nordseestrandflachen Drehbuch liegt, an den unglaubwürdigen Charakteren oder einfach an dem schauspielerisch hoffnungslos überforderten Helden - in keiner Sekunde kann 'Sommer' überzeugen.
Das passende Mädel ist schnell gefunden und natürlich das Blondeste am Ort, das restliche Figurenpersonal lässt sich in schrullig (Oma, Freund der Oma, Dickwanst Eric), einfältig (Polizisten, Freundin Steffi) oder total verblödet (der Rest) einteilen. Das mögen Pubertierende aller Nationen nachempfinden können. Sonst niemand.