Sunshine - Ein Hauch von Sonnenschein
Ein Jahrhundert in drei Stunden
acht
jahre hat sich der ungarische regisseur istvan szabo nach seinem letzten
film "süße emma, liebe böbe" zeit gelassen. jetzt ist der neueste spielfilm
des oscarpreisträgers von 1981 (für "mephisto")
zu sehen. mit "ein hauch von sonnenschein", einer kanadisch-ungarisch-deutschen
koproduktion, wagt szabo sein bisher größtes experiment: in drei stunden
erzählt er das schicksal der in budapest
lebenden, jüdischen familie sonnenschein.
ganz im stile der zur zeit so aktuellen historienschinken verbindet
der filmemacher familientragödien und liebesgeschichten
mit den jeweiligen politischen ereignissen und schafft damit einen recht
beeindruckenden, mitunter aber sehr langatmigen und ausschweifenden film,
der "ganz nebenbei" ein bild der europäischen geschichte dieses jahrhunderts
von der donaumonarchie bis zur ungarischen
revolution 1956 zeichnet.
der jurist ignatz sonnenschein macht zur jahrhundertwende
am hofe des österreichischen kaisers als richter karriere. nur den beruflichen
aufstieg vor augen, bemerkt er nicht, daß seine frau ein verhältnis
mit einem anderen beginnt. jahre später ist seine ehe so zerrüttet wie
die monarchie. sein sohn adam interessiert sich nicht für politik und
geld. er hat nur eins im kopf: fechten. trotz seiner jüdischen herkunft
darf er an den olympischen spielen 1936 in berlin teilnehmen, gewinnt
sogar die goldmedaille doch bald sind die
nazis auch in budapest, und adam wird im kz zu tode gefoltert. sein halbwüchsiger
sprößling ivan muss hilflos dabei zusehen...
knapp
hundert jahre im zeitraffer, da ist ganz schön was los im hause sonnenschein,
doch irgendwie ist´s stets das gleiche: liebe, hass und tod, betrug und
bruderzwist, stolz und vorurteile und immer
wieder zerstörte träume. noch dazu sehen die jeweiligen familienoberhäupter
ignatz, adam und ivan alle aus wie ralph fiennes, der alle drei hauptrollen
spielt. der ist spätestens seit "der englische patient" auf kostümfilme
spezialisiert und hat sein talent mittlerweile hinlänglich bewiesen. doch
diesmal wird man seiner reduzierten schauspielkunst
rasch überdrüssig.
ohne wirkliche nuancen und immer genauso arrogant-distanziert
sind fiennes sonnenschein-männer. mal mit vollbart, mal mit schnauzer,
dann schließlich glattrasiert daran ist bei szabo also der zahn der
zeit zu erkennen. seltsam gehetzt (und trotzdem zu langsam!) trampelt
szabo in siebenmeilenstiefeln durch die jüngste
europäische geschichte. an keiner stelle bleibt die regie länger hängen,
auch wenn es nötig gewesen wäre, und so wird aus szabos opus
maximus ein atemloses familiendrama im zeitraffer, ohne jeden dramaturgischen
höhepunkt
infos über den film im internet: [ www.hauchvonsonnenschein.de ]
kinostart: 27. januar 2000
sunshine - ein hauch von sonnenschein
besetzung: ralph fiennes, rosemary harris, rachel weisz, jennifer ehle,
molly parker, deborah unger, james frain...
regie: istván szabó
drehbuch: israel horovitz, istván szabó
produzent: jonathan debin
kamera: lajos koltai
schnitt: michel arcand, dominique fortin
kanada, ungarn, deutschland, österreich 1999
genre: drama verleih:
uip orginaltitel:
sunshine länge:
180min. [ mehr bei imdb ]
<ug>
schöner abriß über das letzte jahrhundert. doch
der film hat einfach seine längen! außerdem ist dreimal
ralph fiennes einfach zuviel!
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tragische familengeschichte, aber der film galoppiert zu sehr
durch die jüngste geschichte und bietet wenig großartiges!
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