'Starbucks hin, McDonald's her, es gibt immer noch einen riesengroßen Unterschied zwischen den USA und Deutschland: Football. Während sich diese körperliche Ertüchtigung bei uns ein Dasein als Nischensportart fristet, hat sie in Nordamerika eine enorme Strahlkraft. Daher ist dort natürlich auch jeder mit der wundersamen Biografie des Quarterback-Stars Michael Oher (Quinton Aaron) vertraut, während bei uns der Zusatz 'eine wahre Geschichte' dringend notwendig ist. Ansonsten würde man John Lee Hancocks schwülstigen 'The Blind Side' schnell als rührseligen Sozialkitsch abhaken können. Doch die Geschichte hat sich genau so zugetragen. Eine reiche Südstaatenmutti nimmt sich des Slumkinds Michael an, und was aus einer Laune heraus geschah, wird zur Lebensaufgabe dieser Familie aus Memphis.
Sandra Bullock spielt die Rolle der blondierten Tussi im Goldknopfkostümchen und ihre Wandlung zu einer beherzt gegen soziale Missstände ankämpfenden Mater Dolorosa mit so viel Verve und Wärme, dass der Oscar wirklich angemessen erscheint. Noch entscheidender aber ist Bullocks Gespür dafür, jede Art von sentimentaler Übertreibung zu vermeiden. Was sonst leider nicht gelang.